EPUs boomen immer stärker

EPUs boomen immer stärker

Mittlerweile ist es weitreichend bekannt, dass die Klein- und Mittelbetriebe das Rückgrat der österreichischen Wirtschaft darstellen. Weniger bewusst ist der Bevölkerung, dass wiederum der größte Part dieser Unternehmen sogenannte EPUs sind – also Ein-Personen-Unternehmen. Diese EPUs boomen immer stärker. Das hat gute Gründe. Wir zeigen Ihnen die Vor- und Nachteile von EPUs auf.

Beliebteste Unternehmensform

Die Corona-Pandemie hat dem Unternehmertum in Österreich keinen Abbruch getan. Das gilt vor allem für die Gründung von Ein-Personen-Unternehmen (EPU). 2021 gab es in Österreich rund 340.400 EPUs. Gegenüber 2020 ist das ein Anstieg von mehr als drei Prozent. Damit bleibt der EPU-Anteil weiterhin auf stabilem Niveau und bildet nach wie vor die häufigste Unternehmensform im Land. Seit Jahren steigt die Anzahl der EPUs. Bei den Bundesländern führt Wien vor Niederösterreich. Betrachtet man die Rechtsform, dann sind der überwiegende Teil aller österreichischen EPUs nicht eingetragene Einzelunternehmen. Nur rund fünf Prozent sind eingetragene Einzelunternehmen und nochmals so viele sind GmbHs.

Wie geschaffen für Beratungsdienste

Es gibt Branchen, die sich offenbar besser als Einzelunternehmen eignen als andere. Am stärksten sind Pflege- und Beratungsunternehmen vertreten. Und hier speziell Personenberatung und -betreuung (Pflege), gefolgt von Unternehmensberatung, Buchhaltung und IT (UBIT). Die Bereiche Direktvertrieb, Kunsthandwerk, Fotografie und Massage liegen bei EPUs im Trend. Während Branchen wie Gewerbe und Handwerk zu den dominierenden EPU-Branchen zählen, sind Banken und Versicherungen kaum für Einzelunternehmen geeignet, obwohl sich durch die stärkere Digitalisierung auch hier in Zukunft Chancen für EPUs auftun könnten.

Digitalisierung treibt EPUs voran

Der Boom an EPUs ist auch dem Fortschreiten der Digitalisierung zu verdanken. Einerseits entstehen durch die Digitalisierung neue Geschäftsmodelle, die ein eigenes Geschäftslokal oder Büro erübrigen. Andererseits erleichtern Software, Apps und KI Abläufe und ersetzen Arbeitskräfte. Momentan liegen zum Beispiel Cloud-Lösungen zum effizienten Datentransfer und zur Datensicherung extrem im Trend. 

Selbstbestimmung als großes Plus

Als selbständiger Unternehmer kann man seine Tätigkeiten frei gestalten und die Arbeitszeiten selbst bestimmen. Jede Entscheidung kann sofort getroffen werden. Der Unternehmer benötigt kein Einverständnis von Gesellschaftern. Das sind die augenscheinlichsten Vorteile eines Einzelunternehmens, aber eigentlich beginnt es schon bei der unkomplizierten Gründung. Auch aus finanzieller Sicht: Zur Gründung eines EPU ist kein Stammkapital notwendig. Von allen Unternehmensformen verursacht das EPU die geringstmöglichen Kosten. Bei geringen Gewinnen ist der Einkommensteuertarif niedrig – das trägt durchaus dazu bei, dass sich viele Menschen den Schritt in die Selbständigkeit zutrauen. Gleichzeitig hat ein EPU keine Entnahmebeschränkung und der Unternehmer hat kompletten Einfluss auf seine Firma und die Gewinne gehören uneingeschränkt ihm. Andererseits können Verluste des Steuerpflichtigen aus einem Gewerbebetrieb mit Einkünften aus anderen Tätigkeiten verrechnet werden. Das hat steuermindernde Effekte.

Die Größe macht flexibel

Ein besonderer Vorteil eines EPU gegenüber allen anderen Unternehmen ist, dass man wirklich extrem rasch auf Marktveränderungen reagieren kann. Eignet sich ein neues Geschäftsmodell besser, kann der Kurs unmittelbar gewechselt werden. Das kommt strategischen Unternehmern sehr entgegen, die vorausschauend agieren und sich durch ihre Flexibilität stets eine Nasenlänge Vorsprung zur Konkurrenz verschaffen.

Die Nachteile eines EPU

Ein Einzelunternehmen hat aber auch mit einigen Nachteilen zu kämpfen. Wie zum Beispiel die eingeschränkten steuerlichen Gestaltungsmöglichkeiten und das Nichtbestehen von sozialversicherungsrechtlichen Optionen. Ein EPU eignet sich äußerst schlecht für den betrieblichen Generationenwechsel und dem Unternehmen sollte auch klar sein, dass die Gefahr einer gewissen Betriebsblindheit besteht. Zudem haftet der Unternehmer persönlich für sein Unternehmen mit seinem Privatvermögen. Allerdings muss das nicht als Nachteil gesehen werden. Gerade bei Banken genießen EPUs aufgrund der persönlichen Haftung des Inhabers eine gute Reputation.

Organisationstalent gefragt

Wer ein EPU führt, muss sich um das meiste selbst kümmern, sprich: Buchhaltung, Kundenpflege, Marketing usw. Man kann heutzutage zwar vieles auslagern, aber das geht ins Budget. Hier muss man die Kosten-Nutzen-Rechnung anstellen. Auslagern macht Sinn, wenn es sich um Bereiche handelt, die man selbst ungerne macht, in denen die Kompetenzen fehlen und viel Zeit kosten, in der man produktiver sein könnte. Die Volksbank steht EPUs mit zahlreichen Services zur Verfügung. Zum Beispiel mit Unternehmerkonten, die Mehrwert bieten und Cloud-Buchhaltung integrieren, wodurch die Buchhaltung erleichtert wird. Nähere Informationen dazu erhalten Sie in Ihrer Volksbank Filiale oder bei ihrem persönlichen Berater.

Der eigene Chef bleiben

Nicht auslagern sollte man hingegen den betriebswirtschaftlichen Bereich. Eine der wichtigsten unternehmerischen Eigenschaften neben fachlichem Know-how ist betriebswirtschaftliche Kompetenz. Lagert man diesen Bereich aus, begibt man sich in eine Abhängigkeit, die nicht unwesentlich für den nachhaltigen Unternehmenserfolg sein kann. Es ist ein Irrglaube, dass Betriebswirtschaft nur für größere Unternehmen wichtig wäre. BWL ist die Überlebensgarantie für jeden Betrieb.

Die Vorsichts-Variante

Viele EPUs können als hybride EPUs bezeichnet werden. Das ist dann der Fall, wenn eine Kombination aus Selbständigkeit und Unselbständigkeit gewählt wird. Viele entscheiden sich als Vorsichtsmaßnahme für diese Variante, um auszuprobieren, ob sie sich für die Selbständigkeit eignen. Aber es gibt auch durchaus zahlreiche Unternehmer, die sich dauerhaft für die hybride Variante entscheiden. Warum? Einerseits, weil die Kombination es erlaubt, in unterschiedlichen Branchen tätig zu sein. Nicht unwesentlich ist aber auch, dass der Erfolgsdruck dadurch reduziert wird, man aber gleichzeitig für einen gewissen Teil die Vorteile des EPU-Lebens genießen kann, wie etwa Selbstverwirklichung und Unabhängigkeit. Hybride EPUs haben sozusagen ein “Sicherheitsnetz”, weil man mit dem Zusatzeinkommen aus unselbständiger Erwerbstätigkeit eine bessere soziale Absicherung vorfindet.  

Netzwerken wird wichtiger

Als EPU ist man zwar auf sich allein gestellt, muss deshalb aber man nicht auf Feedback und Ratschläge verzichten. Ein gutes Netzwerk ist unerlässlich für den nachhaltigen Unternehmenserfolg. Sinnvoll sind EPU Stammtische, bei denen Gleichgesinnte zusammenkommen und sich über ihre täglichen Herausforderungen austauschen. Bei Themen, in denen man nicht sattelfest ist, sollte man unbedingt professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Häufig trifft das auf aktuelle Herausforderungen zu, wie zum Beispiel Cyber-Security und Datenschutz. In jedem Bundesland gibt es EPU-Beauftragte. Diese Experten stehen zu Themen wie Gründung, Steuern und Finanzierung Rede und Antwort. 

Förderungen ausnutzen

Es gibt zahlreiche Förderungen, die EPUs beanspruchen können. Zum Beispiel, um die digitale Transformation zu bewältigen. Ein Grund, warum EPUs die Corona-Krise gut überstanden haben, sind die finanziellen Unterstützungsaktionen. Für EPUs wurden eigene Corona-Hilfsmaßnahmen beschlossen. Die Stadt Wien gab sich hier als Bundesland mit den meisten EPUs auch als Vorreiter, mit Unterstützungen bis zu 7000 Euro pro Unternehmen. Im vergangenen Jahr wurde diese Förderung sogar aufgestockt – Seit heuer können EPU-Projekte bis zu 10.000 Euro gefördert werden. Die Finanzspritze soll zur Stärkung der unternehmerischen Kompetenzen beitragen und auch bei eventuellen Transformationen der Geschäftsfelder helfen. 

Weiterentwicklung ist essenziell

Erfolgreiche Unternehmen entwickeln sich stetig weiter. EPUs starten vor allem dann durch, wenn der Unternehmer bereit ist, an seiner persönlichen Weiterentwicklung zu arbeiten. Die Wirtschaftskammer bietet zahlreiche Workshops zur Unternehmens- und Persönlichkeitsentwicklung an. Es geht darum, sich in alle Richtungen zu öffnen, neue Denkmuster anzueignen und flexibler zu werden. Als Unternehmer wird man resilienter gegenüber Krisensituationen und begegnet herausfordernden Situationen nicht mit Angst, sondern erkennt neue Chancen.

Ähnliche Beiträge