ID Austria: Die eigene Identität online nachweisen

ID Austria: Die eigene Identität online nachweisen

ID Austria löst die Handy-Signatur ab. Was kann sie? Welche Vorteile wird sie bringen? Worauf wird zu achten sein? Ein Leitfaden zur Nachfolgerin der Handy-Signatur.

Etwa 3 Millionen Personen in Österreich haben eine Handy-Signatur, um sich damit eindeutig im Internet authentifizieren zu können. Sie ist einerseits die persönliche Unterschrift im Netz, die der eigenhändigen Unterschrift gesetzlich gleichgestellt ist. Andererseits dient sie der einfachen Anmeldung zu zahlreichen digitalen öffentlichen Services, etwa FinanzOnline oder der „vereinfachten“ Gründung einer GmbH [https://blog.volksbank.at/digitale-unternehmen-einfach-gruenden/]. Ab Sommer ist die Handy-Signatur jedoch mehr oder weniger Geschichte; sie wird durch die ID Austria abgelöst. Die ID Austria ist eine Weiterentwicklung mit zusätzlichen Nutzungsmöglichkeiten: Denn mit der Nachfolgerin der Handy-Signatur erhalten Österreicherinnen und Österreicher eine elektronische Identität (E-ID). Die ID Austria bietet die Möglichkeit, sich auf digitalem Weg gegenüber Behörden oder privaten Anbietern auszuweisen. Hier finden Sie Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um die ID Austria.

Wann startet die ID Austria?

Die ID Austria ging bereits am 28. Jänner 2021 in die Pilotphase, um das neue System zu testen. In dieser Zeit konnte man die Handy-Signatur auf ID Austria mit Basisfunktion (d. h. mit demselben Funktionsumfang wie die Handy-Signatur) umstellen. Die Pilotphase endet Mitte 2022. Ein genaues Datum für den Start des Echtbetriebs, also ab wann die ID Austria allen Bürgerinnen und Bürgern in vollem Umfang zur Verfügung steht, ist jedoch noch nicht bekannt.

Welche Vorteile hat die ID Austria?

  • Wie bereits bei der Handy-Signatur, ist die elektronische Unterschrift, die mit der ID Austria durchgeführt wird, der eigenhändigen Unterschrift EU-weit gleichgestellt.
  • Mit der ID Austria kann man sich bei österreichischen Online-Verfahren und Anwendungen einloggen.
  • Ausgewählte Amtswege können direkt mit der App „Digitales Amt“ oder über die Website oesterreich.gv.at durchgeführt werden. 
  • Nun sind auch Dokumente wie Führerschein, Personalausweis, Zulassungsschein oder Schülerausweis abrufbar und können digital zur Verfügung gestellt werden. Diese Ausweisfunktion wird vorerst nur in Österreich bestehen. Zwei Beispiele:
    – Wer ein Auto mieten möchte, muss nicht mehr erst am Schalter der Mietwagenfirma seinen Führerschein vorlegen, sondern kann das direkt von zu Hause aus tun.
    – Es ist üblich, dass Banken Neukunden auffordern, die Kopie eines Ausweises per E-Mail zu schicken. Diese Methode kann leider Sicherheitsrisiken bergen und kann durch die ID Austria ersetzt werden.
    Aber Achtung: Die ID Austria ersetzt kein Reisedokument bei einem Grenzübertritt.
  • Wer bei behördlichen Verfahren den Online-Service mit der ID Austria in Anspruch nimmt, kann sich Kosten von etwa 40 Prozent sparen (im Vergleich zum persönlichen Behördengang).
  • Ganz egal, ob Strafregisterauszug oder Meldezettel – mit der elektronischen Zustellung landen behördliche Schriftstücke in einem elektronischen Postfach. Versand und Abholung wichtiger Dokumente erfolgt so noch bequemer und streng vertraulich.
  • Statt der Telefonnummer wie bei der Handy-Signatur wird eine User-ID zur Identifikation verwendet; damit ist eine DOS-Attacke schwieriger.  

Noch sind Login- und Ausweisfunktion auf Österreich beschränkt. Im Laufe des Jahres 2023 wird diese Funktion der ID Austria auch auf elektronische Anwendungen anderer EU-Länder erweitert.

Voraussetzungen, um die ID Austria nutzen zu können

  • Vollendetes 14. Lebensjahr.
  • Die App „Digitales Amt“ muss am Smartphone installiert sein.
  • Es funktionieren nur Smartphones mit Biometrie, also mit einer aktivierten Gesichtserkennung (z. B. Face ID) bzw. Fingerabdruck-Funktion (z. B. Touch ID). Dadurch entsteht eine 3-Faktor-Authentifizierung: Wissen (User-ID und Kennwort), Besitz (Smartphone) und Biometrie (Fingerabdruck oder Gesichtserkennung).
  • Man muss sich vorab persönlich bei der Behörde zur Identitätsfeststellung registriert haben (siehe unten).
  • Wer einen Reisepass oder Personalausweis beantragt, erhält die ID Austria automatisch (man kann aber auch darauf verzichten).

Wie holt man sich die ID Austria?

Die Aktivierung erfolgt nur mehr bei ausgewählten Registrierungsbehörden („Passämtern“) und nicht mehr über sogenannte Registration Officer, wie etwa bei der Krankenkasse. Zu den „Passämtern“ zählen beispielsweise Bezirkshauptmannschaften bzw. die Magistrate, Landespolizeidirektionen oder – für AuslandsösterreicherInnen – Vertretungsbehörden im Ausland (Botschaften, Konsulate).

Schritt für Schritt zur ID Austria

Was man tun muss, wenn man bereits eine Handy-Signatur hat, diese aber nicht behördlich aktiviert wurde:

  • Anmelden in der aktuellen Version der App „Digitales Amt“.
  • Mit behördlichem Lichtbildausweis und Smartphone zu einer der zuständigen Behörden gehen (Terminanmeldung erforderlich).
  • Vor Ort bei der Behörde erhält man einen TAN aufs Smartphone, den man der Mitarbeiterin bzw. dem Mitarbeiter der Behörde mitteilt.
  • Man wird aufgefordert, die Erstanmeldung am Smartphone durchzuführen und diese mit der Eingabe des Signatur-Passworts abzuschließen.
  • Danach ich die ID Austria einsatzbereit.
  • Die ID Austria ist (wie bereits die Handy-Signatur auch) fünf Jahre lang gültig, dann muss sie erneuert werden.  

Hinweis: Für Personen mit behördlich ausgestellter Handy-Signatur (etwa über FinanzOnline oder bei einem magistratischen Bezirksamt) steht ein vereinfachter Online-Umstieg auf die ID Austria ohne persönliche behördliche Identitätsfeststellung zur Verfügung.

Werden mit der ID Austria Daten zentral gesammelt?

Die ID Austria erfüllt die Vorgaben der DSGVO sowie des österreichischen Datenschutzgesetzes. Wer eine ID Austria besitzt, bestimmt selbst über die Weitergabe der Daten an Dritte. Es bedarf somit proaktiven Handelns, um die Datenabfrage anzustoßen und somit auch zu autorisieren. Die persönlichen Daten werden nicht am Smartphone gespeichert, mit der ID Austria werden sie bei jeder Verwendung verschlüsselt von einem hochsicheren österreichischen Server abgerufen. Mit der ID Austria werden die Daten auch nicht gesammelt, das System stellt lediglich eine sichere Infrastruktur für die Vermittlung ausgewählter Daten aus bestehenden staatlichen Registern zur Verfügung.

Noch ein paar praktische Details

Passwort der ID Austria vergessen, neue Rufnummer bzw. neues Smartphone? In der Pilotphase muss man sich in diesen Fällen an eine Registrierungsbehörde wenden, um eine neue ID Austria zu beantragen. An einer Online-Lösung für die eigene Verwaltung der ID Austria wird gearbeitet; sie soll nach der Pilotphase zur Verfügung stehen.

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