Der Blick in die Kristallkugel

Der Blick in die Kristallkugel

Das Börsenjahr 2020 lieferte an vielen Märkten exzellente Gewinne ab. Investoren blicken nun gebannt auf das neue Jahr. Die Aussichten sind nicht schlecht.

Wer im Vorjahr 1000 Euro in ein DAX-Zertifikat gesteckt hatte, konnte sich zu Heiligdreikönig eine Flasche Sekt mehr kalt stellen: Der deutsche Aktienindex legte – Corona hin oder her – mehr als fünf Prozent zu. Und wer die Nerven hatte, sein Geld getreu des Mottos von Carl Mayer von Rothschild („Kaufen, wenn die Kanonen donnern“) anzulegen, während die Welt ob des Virus´ Mitte März 2020 in Schockstarre versank, für den ging sich locker auch ein teuer Schampus aus, denn der Index erfreute mit einem feinen Kursplus von mehr als 65 Prozent. Diese oder ähnliche Ergebnisse lieferten so gut wie alle großen Börsen rund um den Globus; der breite US-Index S & P 500 und die US-Technologiebörse Nasdaq markierten sogar neue Allzeithochs. (Der Wiener Marktplatz lag zum Redaktionsschluss im Jahresvergleich noch mit drei Prozent im Minus, Anm.).

Wie wird’s heuer an den Börsen?

Eröffnet sich die bange Frage: Wie geht’s heuer weiter? Das Börsenjahr 2021 hat mit einem fulminanten Kursfeuerwerk begonnen. Gleich in der ersten Handelswoche erreichte der DAX sein drittes Rekordhoch in Folge. Nach einer Delle im Jänner hielt das Hoch auch Anfang Februar. Das Vertrauen der Anleger ist also intakt. Und das könnte auch noch eine Weile so bleiben. So liefern sich Analysten fast schon einen Wettlauf bei den Kursprognosen. Die mutigste Vorhersage reicht beim deutschen Index bis 15.500 Punkte. Basis der Erwartung: Die wirtschaftliche Erholung sollte sich nach dem schwierigen Winterhalbjahr weiter fortsetzen. Die schnellere Verfügbarkeit von Impfstoffen wird diese Entwicklung sogar noch beschleunigen. Ein weiterer Kurstreiber beruht auf der Annahme einer ruhigeren globalen Politik: Der Amtswechsel im Weißen Haus lässt nämlich nach Einschätzung vieler Beobachter die Unsicherheit nach den oft erratischen Entscheidungen von Amtsinhaber Donald Trump schwinden.

Biden steht für Stabilität

Anleger hassen nur wenig mehr als Unberechenbarkeit; Joe Biden steht für Viele für Berechenbarkeit und Verlässlichkeit. Der Wettlauf um immer höhere Zollschranken dürfte zumindest vorläufig vorbei sein, und es sollte wieder mehr Rationalität in die Politik zurückkehren,so die Hoffnung. In der Auseinandersetzung mit China dürfte Biden nach Ansicht der Marktbeobachter zwar hart bleiben, aber mit Sicherheit einen anderen Ansatz als die offene Konfrontation, in die der vormalige Bewohner der Pennsylvania Avenue 1600 so verliebt war, wählen. Der neue Präsident könnte eine Art friedlicher Koexistenz versuchen; für Investoren weitaus angenehmer als der vormalige Kurs des orangen Rabauken.

Zinsen bleiben niedrig

Belebend für Konjunktur und Aktienmärkte sollten sich, nicht nur in Europa, auch die beschlossenen oder noch geplanten staatlichen Konjunkturpakete auswirken. Auch die weitere Ruhe an der Zinsfront mit nach wie vor historisch niedrigen Zinsen ist Balsam für die Aktienmärkte, denn Investmentprofis rechnen auch im kommenden Jahr nicht mit Leitzinserhöhungen, weder in Europa, noch in den USA. Das belebt die Hoffnung auf ein Jahr mit wieder steigenden Unternehmensgewinnen und einer Wirtschaft, die auf dem eingeschlagenen Erholungspfad bleibt. Und so erwartet man für die deutsche Volkswirtschaft und die USA heuer ein BIP-Wachstum von knapp vier Prozent. Noch rosiger sieht es für die Eurozone aus, hier sind sogar rund fünf Prozent Wirtschaftswachstum angesagt.

Wo es gute Chancen gibt…

Ein gutes Jahr wird auch den Schwellenländern vorhergesagt, ihnen werden 2021 besonders hohe Wachstumsraten zugetraut. Das gilt vor allem für asiatische Länder: Der Internationale Währungsfonds sieht bei diesen ein Wachstum von im Schnitt satten acht Prozent und liegt damit deutlich über der Wachstumsvorhersage für die Weltwirtschaft von gut fünf Prozent. In welchen Bereichen wird es aber heuer Geld zu verdienen geben? Von der weltweiten wirtschaftlichen Erholung werden nach überwiegender Ansicht der Experten vor allem konjunktursensitive, zyklische Branchen profitieren. Dazu zählen beispielsweise Chemiewerte, der Anlagen-, Maschinen- und Fahrzeugbau, aber auch die geprügelte Tourismusbranche und die Industrie.

…und wo Gefahr droht.

Doch kein Licht ohne Schatten, das gilt auch für die Börse. Und so sind erneute Rückschläge an den Aktienmärkten durchaus möglich; besonders, wenn die Kurse den Unternehmensgewinnen davonlaufen. Gefahr droht auch von möglicherweise neu aufflammenden Handelskonflikten zwischen Ost und West; doch könnten davon beide Seiten zumindest vorläufig einmal die Nase voll haben. Aber, so der überwiegende Tenor der Experten, bieten Rückschläge immer Gelegenheit, zu niedrigeren Kursen zusätzliche Positionen aufzustocken.

Attacken auf´s Portfolio könnten auch von einem nachlassenden Drive der Märkte drohen, denn diese haben einen Großteil der konjunkturellen Erholung bereits vorweggenommen. Grenzen der Fiskalpolitik, ungewisse Entwicklung von Corona durch neue Mutationen bieten ebenfalls Rückschlagspotenzial. Anleger sollten sich also bei allem begründeten Optimismus durchaus darauf einstellen, dass es wieder etwas volatiler werden könnte an den Aktienmärkten, vor allem, wenn die Kurse weiter steil ansteigen.

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