Hardware-Check: So muss Homeoffice

Hardware-Check: So muss Homeoffice

In den letzten Jahren vor der Krise wurde viel daran gearbeitet, idealen und auch individuellen Arbeitsraum für die Masse zu schaffen. Es ging darum, aus Großraumbüros das Maximum an sowohl Individualität als auch Teambuilding herauszuholen. Kurz gesagt, weg vom 90er-Jahre-Schachtelsystem, hin zu einem Co-Working-Space, der die Mitarbeiter sich möglichst frei entfalten und vor allem fühlen lässt. Mit der Pandemie kam das Aus bzw. eine Zwangspause für diese Arbeitsräume, diese Philosophie, denn die Welt ging ins Homeoffice. Was dabei gefordert ist, ist Raum, der vor allem für den Einzelnen Motivation und ein konzentriertes Arbeiten inmitten vieler Ablenkungen ermöglichen muss. 

Homeoffice als Allround-Motivator  

Dass das Homeoffice vor allem für Selbstständige vielerlei Vorteile bringt, liegt auf der Hand und wurde im Artikel „Das Arbeitszimmer in den eigenen vier Wänden“ bereits eingehend besprochen. Denn neben praktischen Gründen einerseits, kann das auch reglementierte „Büro in den eigenen vier Wänden“ andererseits auch steuerliche Vorteile bringen. Dann wäre da noch die Geld- und Zeitersparnis, wenn man nicht in ein gemietetes Objekt tingeln muss, um seine Arbeit zu verrichten. Wie aber solch ein Office im Home ausschauen sollte und warum das auch für das Wohlbefinden sehr wichtig ist, dem widmen wir uns hier.

Interieur und mehr

Wichtig ist am Anfang die Definition, was das Homeoffice eigentlich ist: Es muss in den Wohnbereich eingebunden sein, also sich nicht außerhalb des Hauses oder der Wohnung befinden. Auf der anderen Seite sollte es aber deutlich und zu 100 Prozent von den privaten Räumlichkeiten getrennt sein, also einen eigenen Raum ausmachen. „Negativ“-Beispiel: Der Kindertisch inmitten des Wohnzimmers, vorm Fernseher, auf dem der Laptop nebst Tiger-Stofftier platziert ist, ist KEIN ideales Homeoffice. 

Selbstverständlich sollte man als Arbeitszimmer grundsätzlich einen gut ausgeleuchteten, nicht allzu stickigen Raum wählen. Beherbergen sollte das Büro zuhause grundsätzlich nur notwendige Gegenstände, die ein Büro mit sich bringt, denn ein Esstisch wäre wohl Fehl am Platz. Das hat auch steuerliche Gründe: Ein Absetzen ist nur dann möglich, wenn das Zimmer auch tatsächlich als Arbeitsbereich deklariert und benutzt wird. Bei der Einrichtung hingegen geht es neben einer Grundausstattung, die jedes Office erfüllen sollte, auch um Individualität: Ein Tisch, dazu etwas, auf dem man sitzen kann, ein paar Steckdosen, ein wenig Lagerfläche und Zugang zu Internet sind wahrscheinlich essentiell. Ob mit oder ohne Fenster, viele Pflanzen, Aquarium, Couch zum Denken oder doch lieber schlichter Purismus bleibt jedem selber überlassen, denn hier gilt eine wichtige Faustregel: Das Homeoffice soll so eingerichtet sein, dass Sie sich wohlfühlen – denn nur dann ist zielgerichtetes Arbeiten möglich. 

„Erst prägt der Mensch den Raum, dann prägt der Raum den Menschen.“

Winston Churchill

Selbsthilfe für den Homeoffice-Look

Mit diesen wichtigen Punkten lässt sich der Arbeitsplatz zuhause schnell für die eigenen Bedürfnisse optimieren: 

  • Arbeitstyp-Abgrenzung, will heißen: Lieber Blick aus dem Fenster oder gar keine Ablenkung? Musik zur Untermalung? Rücken zur Wand oder Bildschirm zur Wand?
  • Optimale Lichtverhältnisse: Gut zum Arbeiten, schont die Augen und wirkt Müdigkeit entgegen; Tipp: Hängelampe leuchtet mehr aus als einzelne Spots
  • Raumausnutzung: Schaffen Sie sich auf dem Schreibtisch bewusst spezifische Plätze für unterschiedliche Bereiche, z.B. für erledigte Dinge, To-dos, die Elektronik, das Smartphone
  • Weg damit, will heißen: ein Mistkübel ist Pflicht, sonst stapelt sich Kram
  • Individuelle Motivation: Nur, weil es das Homeoffice ist, muss es nicht karg sein; Sie motivieren ein paar zwischenzeitliche Würfe auf einen Mini-Basketballkorb? Prima, go for it!
  • Animalische Motivation: Gehören nicht zum Interieur, aber Tiere wirken arbeitspsychologische Wunder; ruhig mal öfter Hund oder Katze unter/neben/auf den Schreibtisch lassen
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… und dann war da ja noch die Software

Gemeint ist damit aber nicht, welches Betriebssystem oder welches Programm am besten zu einem passt – denn das muss ein jeder selber entscheiden. Nein, hier geht es um unsere ur-eigenste Software, unsere Psyche. Diverse Theorien, Ansätze und Statistiken ranken sich um das Thema Homeoffice und psychisches Wohlbefinden, denn natürlich steht wie auch sonst eine ideale Work-Life-Balance im Vordergrund. Interessant dabei ist, dass das Ambiente und Umfeld im Homeoffice ganz maßgeblich zum Wohlbefinden und damit zur Produktivität beitragen. Und es ist enorm wichtig, diesen Einklang aus Arbeit und Freizeit im Homeoffice zu schaffen.

Dr. Erwin Gollner, Public Health-Experte der Fachhochschule Burgenland, nennt das Ganze „Homeoffice-Paradoxon“: Homeoffice sei ein Segen und eine Belastung zugleich. Besonders gefährlich ist der Graubereich, die Verschmelzung von Privatleben und Erwerbsarbeit, das sog. „Work-Life-Blending“. Deshalb braucht es laut dem Experten ganz klare Strukturierung, um dem vorzubeugen. Einerseits eben durch eine ganz klare Abgrenzung des Arbeitsplatzes, der auch rein dafür genutzt werden soll. Andererseits durch eine konsequente Zeiteinteilung – inklusive Pausen. Aber: Nicht nur pausieren, denn das ist ja irgendwie auch kontraproduktiv. 

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