Bitcoin & Co

Bitcoin & Co

Immer wieder und in fast regelmäßigen Abständen poppt sie auf: Die Frage, ob es nicht doch vielleicht sinnvoll wäre, in Kryptowährungen, wie etwa Bitcoin, zu investieren.

Zur Begrifflichkeit

Bitcoin, Ethereum, Litecoin und ähnliche blockchainbasierte Coins werden auf nationaler wie auf internationaler Ebene in Begriffe wie zum Beispiel „virtuelle Währung“, „Kryptowährung“, „Coin“, „Token“ oder gerne auch „Krypto-Assets“ subsumiert. Sie sind derzeit nicht als offizielle Währung anerkannt und sie stellen grundsätzlich auch keine Finanzinstrumente dar. Ertragssteuer-technisch handelt es sich bei Kryptowährungen um sonstige (unkörperliche) Wirtschaftsgüter. Diese unkörperlichen Wirtschaftsgüter gelten als nicht abnutzbar.

Österreichs Finanzmarktaufsicht, FMA, beschreibt folgende Token-Charakteristika:

  • Sie werden von keiner Zentralbank oder Behörde ausgegeben
  • Die Schöpfung neuer Werteinheiten erfolgt in der Regel über ein vorbestimmtes Verfahren innerhalb eines Computernetzwerkes, sogenanntes „Mining“
  • Es gibt keine zentrale Instanz, die Transaktionen kontrolliert oder verwaltet
  • Sämtliche Transaktionen sind in einem öffentlichen Verzeichnis aufgezeichnet (sogenannte „Blockchain“)
  • Einmal getätigte Transaktionen sind grundsätzlich unwiderrufbar
  • Elektronische Geldbörse, in welcher die Krypto-Assets digital aufbewahrt und verwaltet werden können (sogenannte „Wallet“)
  • Dezentrales Netzwerk – Peer to Peer Netzwerk

Die konservativsten unter den konservativen Anlegern werden aller Voraussicht bereits nach dem ersten Punkt die Bitcoin-Frage mit einem entrüsteten „Nein“ beantworten.

Energiefresser Mining

All jene, die Vokabel wie etwa „Klimawandel“, „Nachhaltigkeit“, „Ökologie“ oder auch „Erderwärmung“ im richtigen Kontext zu verwenden wissen oder auch nur auf nachhaltige Investments stehen, steigen nach zweiten Punkt angewidert aus. Oder sollten es dringend tun. Warum? Weil das sogenannte Mining ein Energiefresser, der übleren Sorte ist. So geht aus einer Analyse der Universität Cambridge hervor, dass die Kryptowährung Bitcoin jährlich mehr Strom als das ganze Land Argentinien verbraucht.

Den Wissenschaftlern zufolge kommt die Kryptowährung auf rund 121,36 Terawattstunden (TWh) Stromverbrauch pro Jahr. Ganz Argentinien mit seinen rund 45 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern hingegen verbrauche nur 121 TWh. Stand Februar 2021.

Das Bitcoin-Schürfen ist ein großer Stromfresser. Durch den jüngsten starken Kursanstieg der Kryptowährung würden immer mehr Menschen dazu motiviert, weitere Bitcoins zu schürfen. Die hochkomplexen Rechenprozesse auf immer mehr Rechnern verschlingen dadurch immer größere Strommengen, monieren die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler.

„Der hohe Stromverbrauch bei Bitcoins ist systemimmanent und wird erst zurückgehen, wenn der Kurs wieder fällt“, so Michel Rauchs, Forscher am Cambridge Centre for Alternative Finance (CCAF) und Co-Entwickler des Cambringe Online-Tools, das diese Schätzungen generiert, in einem BBC-Bericht. Laut CCAF Berechnungen ist das Bitcoin-System, wäre es ein Staat, unter den 30 am meisten stromverbrauchenden Ländern.

Per Mitte Mai hat Bitcoin punkto Stromverbrauch auf 147,79 TWh weiter zugelegt und hat nun Ägypten (150,58 TWh) und Polen (152,57 TWh) im Visier. Zum Vergleich: Österreich sieht das Cambridge-Tool bei 66,85 TWh auf Rang 42.

Ein König rudert zurück

Und es ist genau dieser Umweltaspekt, der die Kryptowährungen mehr und mehr in Verruf geraten lässt. Auch wenn aktive Miner gerne darauf hinweisen, dass Mining ja eh großteils mit erneuerbaren Energien stattfinde, so ist das leider nur die halbe Wahrheit: Viele Server-Farmen, die zum Bitcoin-Mining im großen Stil genutzt werden, stehen in Ländern mit relativ geringen Stromkosten wie China oder Kasachstan. Hier stammt die Energie aber häufig aus vergleichsweise umweltschädlichen Quellen wie Kohle.

Selbst Technologie-Visionär und „fleisch-gewordene Innovation“ Elon Musk, nach eigenen Angaben Technoking of Tesla & Imperator of Mars musste sich diesem Aspekt beugen. „Mit Bitcoins den Tesla zahlen“ wurde im heurigen März noch gefeiert, doch Musk musste viel Kritik & Häme einstecken und ruderte schließlich via Twitter zurück. Grünes Umweltauto und Mining vertrage sich doch nicht.

Ob der beißende Spott eines Bill Maher Musk zu dieser Entscheidung gebracht hat ist der derweil (noch) nicht überliefert.

Maher bezeichnete Kryptowährungen in seiner Latenite-Show Real Time with Bill Maher als „open Ponzi scheme“ und verspottete sie als Monopoly-Spielgeld: Sie sei von Natur aus sinnlos, willkürlich und unmöglich zu verstehen, aber habe dafür große Auswirkungen auf den Planeten. „Ich verstehe voll und ganz, dass unser Finanzsystem nicht perfekt ist, aber es ist zumindest real. Apple-Aktien sind Geld wert, weil Apple Tausend-Dollar-Telefone herstellt, die jeder kauft – und dann in die Toilette fallen lässt“, zeigt Maher so etwas wie Mitgefühl mit Coin-Anhängern.

Maher verglich Bitcoin&Co mit dem Zauber Peter Pans’s Tinker Bell: „Ihre Kraft basiert ausschließlich auf genügend Kindern, die daran glauben. Unser Problem ist nicht ökonomisch, sondern psychologisch. Menschen, die in einer virtuellen Welt aufgewachsen sind, beginnen zu glauben, dass sie wirklich darin leben können.“ Da es die reale Welt zu schützen gilt, sollte mit Mining gestoppt werden, sollten es Klima-Enthusiasten wie Tesla CEO Elon Musk, der „vorgebe sich ums Klima zu scheren“ besser wissen. Selber zu „minen“ oder in Kryptowährungen investiert zu sein und sich im selben Atemzug als großen Umweltschützer zu bezeichnen, wäre schon sehr opportunistisch.

Was sagt eigentlich Warren?

Aber es gibt auch Anlageaspekte bei denen sich Kryptowährungen mit bewährten Investmentstrategien nicht recht vertragen. Warren Buffett (US-amerikanischer Großinvestor, Unternehmer, Philanthrop und CEO von Berkshire Hathaway. Er gilt als einer der erfolgreichsten Investoren der Welt; Anm.) hat etwa – wenig überraschend – so seine Bedenken. Er hält Bitcoins für unproduktives Vermögen, das keine Werte schaffe. In einem Interview mit Becky Quick, co-anchor der amerikanischen CNBC financial news Sendung „Squawk Box“, sagte Buffett: „Cryptocurrencies basically have no value and they don’t produce anything…In terms of value: zero. („Kryptowährungen haben im Grunde genommen keinen Wert und produzieren nichts… Wertmäßig: Null.“) Weder er selber noch Berkshire Hathaway würden Bitcoins besitzen. (Tun sie auch bis heute nicht.) Und er hält sie für rechtlich bedenklich, denn im Grunde würden sie nur demjenigen nützen, der Geldwert illegal transferieren möchte.

Außerdem spießt sich die den Kryptowährungen zugrundeliegende Technologie der Blockchain wohl bei vielen mit Buffetts Rat, nur in Dinge zu investieren, die man auch verstehe. So erzählte etwa unser aller Terminator, Arnold Schwarzenegger, der NY Times nicht in Kryptowährungen investiert zu sein, da er es wie Warren Buffet hält: „Ich investiere nicht in Dinge, die ich nicht kapiere.“

Übrigens: Elon Musks Bekanntgabe, dass Fahrzeugkäufe bei Tesla mit Bitcoin nicht mehr möglich seien, ließ die Kurse aller Kryptowährungen unmittelbar danach abstürzen. Die Tesla-Aktie zeigte sich vom Musk-Tweet hingegen angetan und war vorbörslich im Plus.

Blockchain, einmal ganz anders

Wer an Bitcoins & Co nur die dahinterliegende Technologie der Blockchain faszinierend findet und auch der Kunst nicht abgeneigt ist: Bitte hier entlang… (Joanneum NFT-Werke).

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