Businessplan: Mehr als bloße Zahlen

Businessplan: Mehr als bloße Zahlen

Ob Hausbau, Wohnungskauf oder sogar die meisten Urlaube: Nichts kommt ohne gut durchdachten Plan aus. Nur bei Selbstständigkeit, Firmengründung oder Rechtsformänderung werfen sich viele ohne gründliche Vorbereitung ins Ungewisse. Dabei hilft ein guter Businessplan einerseits dabei, schwere Fehler in der Anfangsphase zu vermeiden, andererseits bekommt man erst durch die Planung ein gutes Gefühl für die eigenen Stärken und Schwächen.

 

Als das bekannte Start-up runtastic im Jahr 2015 vom Sportartikelriesen adidas für stolze 220 Millionen Euro übernommen wurde, ging das durch alle Medien. Dieser Erfolg kam jedoch nicht durch Zufall zustande, vielmehr beruhte er auf umfassender und realistischer Planung. Die Gründer haben sich im Rahmen eines detaillierten Businessplans mit allen Faktoren auseinandergesetzt, die bei Gründung eines Unternehmens zu beachten sind. Ebenfalls wurden alle möglichen Szenarien, vom Idealfall bis zum Worst-Case berücksichtigt und das Vertriebskonzept wurde detailliert dargestellt. Damit war alles für die optimale Geschäftsentwicklung vorbereitet.

 

Egal, ob Start-up oder Neu-Übernahme: ein guter Businessplan hilft allen

Doch nicht nur Hightech-Unternehmen profitieren von guter Planung. Sie ist die Grundvoraussetzung für jede Art von Finanzierung, sei es ein Bankkredit oder ein Investor. Denn kaum jemand wird Geld für eine Firma in die Hand nehmen, die sich nicht intensiv mit sich selbst auseinandergesetzt hat. Dabei sind folgende Elemente wichtig, noch bevor man über Zahlen spricht:

  • Darstellung der Geschäftsidee
  • Vorstellung der handelnden Personen
  • Beschreibung der Produkte/Dienstleistungen und deren Besonderheiten
  • Eckdaten des Unternehmens, also Rechtsform, Standort, Startkapital, Organisation, Mitarbeiter etc.
  • Marktbetrachtung, also Mitbewerber, bestehende Produkte und potenzielle Kunden
  • Ein möglichst ausgefeiltes Marketingkonzept – denn kein Produkt verkauft sich von selbst
  • Chancen und Risiken, Stärken und Schwächen des Unternehmens

 

Abgesehen von der möglichst konkreten Präsentation der Geschäftsidee und der Chancen gehören zu einem Businessplan natürlich auch seriöse und umfassende Zahlen. Manche davon stehen zur Verfügung, andere müssen prognostiziert werden:

 

  • Kosten für die Aufnahme der Geschäftstätigkeit – u. a. Gründung, Produktentwicklung, Anlaufkosten, Marketing
  • Umsatzprognosen – am besten mit mehreren Szenarien: erwartet, optimal, schleppend
  • Break-even-Analyse – nur so weiß man, ab wann das Unternehmen profitabel wird
  • Eine realistische und krisensichere Liquiditätsplanung
  • Erwartete Bilanzen und Gewinnrechnungen für die ersten Jahre

 

Ein Business Plan ist mehr als bloß Zahlen.

Bei der Gliederung empfiehlt sich ein gut erkennbarer roter Faden in Form einer leicht lesbaren „Geschichte“ – Stichwort Storytelling –, die sich durch den gesamten Plan zieht. Nicht zu vergessen sind großzügige Diagramme und Tabellen, schließlich sagt ein Bild mehr als tausend Worte. Alle Highlights und die wichtigsten Aussagen stellt man gleich zu Beginn in einem Summary zur Verfügung, das schafft Übersicht und macht Lust auf das Lesen. Schließlich soll es ein Businessplan werden, keine schwer verdauliche Literatur.

Nicht nur für Neugründungen, auch für Zeiten der Veränderung

Wird ein Unternehmen verkauft oder ändert seine Rechtsform – zum Beispiel von einer OG in eine GmbH – ist ein neuer Businessplan eine sinnvolle Investition. Schließlich kann man nun von realen Entwicklungen ausgehen, hat gute Zeiten und Krisen erlebt. Mit diesem Erfahrungsschatz kann der Plan überarbeitet oder ganz neu formuliert werden und hilft, das weitere Wachstum besser abzuschätzen. Spätestens am Ende des im ursprünglichen Businessplan betrachteten Zeitraums empfiehlt sich eine Neuerstellung. Manche Unternehmen erfinden sich regelmäßig völlig neu, andere setzen auf Stabilität und organisches Wachstum. Doch egal, wie die mittel- und langfristige Strategie lautet: Ein stets aktueller Businessplan hilft bei der Unternehmensführung.

 

Denkfehler vermeiden und sich an erfolgreichen Businessplan-Beispielen orientieren

Es gibt viele Möglichkeiten, sich Anleitungen und Beispiele für gut strukturierte Businesspläne zu holen. Zum Bespiel steht jener von runtastic als Best-Practice-Example gratis zum Download beim Gründerservice zur Verfügung. Auch zahlreiche Vorlagen und Anleitungen sind am Ende des Artikels zusammengestellt. Eine kostenlose Software für die ersten Schritte steht in Form von Plan4YouEasy zur Verfügung, ebenso wie Seminare oder die Unterstützung durch Unternehmensberater mit der Förderung der Wirtschaftskammer helfen kann, diese so wichtige erste Phase zu meistern.

Die Erstellung eines fundierten Businessplans ist mehr als eine lästige Pflicht. Denn die daraus gewonnenen Erkenntnisse helfen außerdem, einen kühlen und vor allem realistischen Blick zu wahren. Es müssen auch nicht gleich 50 bis 60 Seiten sein wie beim Vorzeige-Start-up. Ein kleines lokales Geschäft wird mit 15 bis 20 Seiten auskommen. Ein gut recherchierter und ausformulierter Plan lohnt sich in jedem Fall und bietet die beste Voraussetzung für nachhaltigen Geschäftserfolg – egal, ob App-Entwickler oder Grätzel-Lokal.

 

_________________

Weiterführende Links:

Ähnliche Beiträge