Weiterbildung, KMUs – und was Corona dabei bewirkt hat

Weiterbildung, KMUs – und was Corona dabei bewirkt hat

Jede Krise fungiert auch als neue Chance für Unternehmen, neu durchzustarten. Das gilt natürlich auch für die gegenwärtige Corona-Pandemie.

Es ist ähnlich wie bei einem Formel 1-Rennen: Passiert ein Unfall, führt die Safety Car-Phase dazu, dass alle Fahrzeuge wieder aneinander rücken. Dasselbe Bild herrscht(e) in der Wirtschaft: Die scharfen Corona-Maßnahmen haben das Tempo herausgenommen. Gezwungenermaßen hatten viele Betriebe mehr Zeit, sich über Fortbestand und Tauglichkeit der Geschäftsmodelle Gedanken zu machen. Viele Betriebe haben die Zeichen der Zeit erkannt und auf Weiterbildung gesetzt, um Schwachstellen auszubügeln und up to date zu bleiben. Fortbildungsprogramme für KMU und EPU florieren.

Digitalisierung bringt neue Möglichkeiten der Weiterbildung

Glaubt man der Statistik, haben KMUs während der Krise sogar mehr Zeit und Geld in Weiterbildung investiert als Großunternehmen. Die großen Konzerne standen bereits vor COVID-19 bei der digitalen Transformation besser da als kleine Unternehmen. Aber die Kleinen haben aufgeholt, denn der Digitalisierungsschub hat dazu geführt, dass auch KMUs und EPUs digital aufgerüstet haben. Laut Digital Economic and Society Index (DESI) sind Österreichs KMUs bei der Digitalisierung im internationalen Vergleich weit abgeschlagen. Die Pandemie könnte hier den notwendigen Schalter umgelegt haben. Experten betonen aber stets, dass die Digitalisierung in Unternehmen nur klappt, wenn alle Mitarbeiter auf den Weg mitgenommen werden. Das verlangt nach Fortbildungen von der Führungsebene bis zum Praktikaten. 

Akzeptanz für digitales Lernen steigt 

Mit den neuen Tools ergeben sich auch für die Wissensvermittlung und Fortbildung neue Möglichkeiten. Die Akzeptanz für digitale Weiterbildungsformate hat innerhalb der letzten eineinhalb Jahre durch Homeoffice und Remote Work extrem stark zugenommen. Webinare liegen zum Beispiel absolut im Trend. Gelernt wird immer häufiger via Online-Kurse und virtuelle Klassenräume. Die digitalen Lernmedien gewähren mehr zeitliche Flexibilität. Hier springen KMUs und EPUs auf, um das Sparpotenzial zu nutzen: Fehlende Zeit für Weiterbildung war bisher nämlich eines der größten Hindernisse von Kleinunternehmen, das durch die modernen digitalen Methoden plötzlich aufgehoben wird. Zudem lassen sich die Lerninhalte jederzeit unterbrechen und zu anderen Zeitpunkten fortsetzen. Digitale Lernmedien lagen zwar schon vor der Krise im Trend, erleben nun aber nochmals einen deutlichen Aufschwung. Vor allem auch, weil das Angebot stark angeschwollen ist: Denn auch Lernvideos und Podcasts erfahren eine noch nie dagewesene Zuwendung und stehen bei EPUs und KMUs hoch im Kurs. 

Eine neue Ebene der Wissensvermittlung

Die neuen Technologien ermöglichen eine stärkere Vernetzung unterschiedlicher Institutionen und Betriebe – das führt zu Synergieeffekten. Hier sind KMUs und EPUs aufgerufen, sich aktiv an der Vernetzung zu beteiligen, um eine Fortbildung 4.0 zu ermöglichen. Das bedarf den Willen, über den Tellerrand zu blicken; Datenschutz und Konkurrenzdenken könnten hier noch Hürden sein. Aus der Vernetzung ergeben sich in jedem Fall viele Win-win-Effekte: Etwa, wenn Universitäten die Bedürfnisse der Betriebe kennen und zielgerichteter Lerninhalte und Methoden adaptieren können. Auf diese Weise lassen sich zukünftig jene Fachkräfte ausbilden, die benötigt werden.

Förderung der digitalen Kompetenzen

Aber nicht nur die digitale Fortbildungsmethoden an sich boomen, sondern generell digitale Themen. Vor der Krise wurde Digitalisierung im Unternehmen von vielen KMU-Führungskräften als nicht oberste Priorität angesehen. Dieses Bild hat sich innerhalb der letzten 18 Monate komplett gewandelt. Das hat auch Auswirkungen auf die Schulungsinhalte, denn noch nie waren Weiterbildungsangebote im Bereich Digitalisierung angesagter als gegenwärtig. Stark nachgefragt sind unter anderem Digital Bootcamps, weil sie es ermöglichen, bestehende Wissenslücken relativ rasch zu schließen.

Weiterbildung 4.0: Von E-Commerce bis zu Robotic

Das Bewusstsein für digitale Trends nimmt bei KMUs zu, speziell im Bereich Cyber Security, Big Data, Automatisierung, Machine Learning, Robotic usw. Beliebt sind etwa Kurse, bei denen elektronische Dokumentationsgrundlagen vermittelt werden oder Mitarbeiter auf die gängigsten Bedrohungsszenarien vorbereitet werden. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen KMUs die digitalen Megatrends rechtzeitig erkennen und sollten dafür sorgen, dass die Mitarbeiter das entsprechende Know-how besitzen. Je spezifischer die Themen werden, desto sinnvoller sind Digital Innovation Hubs, bei denen die Unternehmen viele Angebote und Informationen finden. 

Aus DESI geht hervor, dass Österreichs KMUs vor der Krise bei den Themen E-Commerce und Marketing über Social Media im internationalen Vergleich unterdurchschnittlich abschnitten. Auch hier kommt Bewegung ins Spiel: KMUs versuchen sich rund um Online-Handel und Online-Marketing fit zu machen. Diese Kompetenzen sind teilweise notwendig, um das Unternehmen überhaupt erfolgreich weiterführen zu können.

Generationen lernen voneinander

Einerseits profitieren junge Mitarbeiter von der Erfahrung der Alteingesessenen. Doch gerade bei Digitalisierungsthemen ist die Next Generation fitter und erhöht die Nachfrage nach sogenannten Reversed-Mentoring-Programmen, bei denen die jungen Mitarbeiter oder künftige Nachwuchskräfte darin geschult werden, älteren Mitarbeitern den Umgang mit den neuen Technologien beizubringen. Hier dürfte in nächster Zeit einiges in Bewegung geraten. Zum Beispiel gibt es Konzepte, die Lehrlingsausbildung in Berufsschulen zu nutzen, um digitales Anwendungswissen effektiver und breiter in Österreichs Unternehmen zu tragen.

Weiterbildungen_Detail_BeschreibungGenerationen lernen von Generationen – sowohl digital als auch offline.

Fachkräftemangel zwingt zu Eigeninitiative

In allen Branchen klagen Unternehmer über mangelnden Nachwuchs. Will man gute Fachkräfte halten, muss man ihnen attraktive Arbeitsplätze und Aufstiegsmöglichkeiten bieten. KMUs erkennen zunehmend die Bedeutung der Weiterbildung als Mittel, um den zukünftigen Fachkräftebedarf zu decken und beginnen immer intensiver, Schulungen im Unternehmen anzubieten. In der Regel sind interne Weiterbildungen häufiger in der Industrie- und Dienstleistungsbranche als im Handwerk angesiedelt. Aber das ist kein Grund, diese „Ketten“ nicht ausfzubrechen. 

Förderungen für Weiterbildung

Weiterbildungen forcieren die Innovationskraft, deshalb gibt es auch spezielle Förderungen für KMUs und EPUs. Von Bundesland zu Bundesland sehen diese Unterstützungen etwas anders aus, ein paar Beispiele dafür wie folgt: Für Wiener KMUs gibt es etwa Hilfe von waff – Wiener ArbeitnehmerInnen Förderungsfond. Übernommen werden bei innovationsbezogenen Weiterbildungen bis zu 50 Prozent der Weiterbildungskosten für externe Schulungsträger. Das Land Oberösterreich hingegen fördert innovative Skills für KMUs in OÖ und unterstützt bei Investitionen in die Ausbildung der Mitarbeiter in den Bereichen Digitalisierung, Technologien, Innovation, Export und Fremdsprachen. Die Wirtschaftsagentur Burgenland (WIBAG) fördert die Aus- und Weiterbildung von KMUs und EPUs in Gewerbe und Industrie. In Kärnten hilft der Kärntner Wirtschaftsförderungs Fonds mit einem Kleinunternehmerzuschuss. Niederösterreich hat den Weiterbildungsbonus für Unternehmensführung für KMUs.

Für jeweils passende Angebote richtet man sich am besten an die Wirtschaftskammer oder spezifische Stellen im Bundesland.

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