Homeoffice Umfrage 2.0: Noch nicht ganz die neue Normalität

Homeoffice Umfrage 2.0: Noch nicht ganz die neue Normalität

Vor knapp sechs Monaten wollten wir wissen, ob und in welcher Form Homeoffice in Ihren Unternehmen zum Einsatz kommt und welche Veränderungen dieses brachte. Nun haben wir dieselben Fragen erneut gestellt, um die Entwicklungen auf diesem Gebiet zu beobachten und wieder haben fast 1.200 Leserinnen und Leser geantwortet.

Dafür an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön! Wie hat sich die Situation in der Zwischenzeit verändert? Hat sich zwischen Erholung der Wirtschaft und neuerlichem Lockdown die Arbeitsweise in den Betrieben an die neuen Gegebenheiten angepasst? Ist Homeoffice nach wie vor eine Entwicklung, die unser aller Arbeitsleben verändern wird, oder kehren Ernüchterung und Müdigkeit ein? Finden wir es heraus!

Homeoffice-Einsatz deutlich zurückgegangen – auch in der Intensität

Während im Mai/Juni noch 35 Prozent der Unternehmen angaben, dass Homeoffice und Remote-Work bei ihnen nicht oder nur eingeschränkt möglich sei, stieg dieser Anteil nunmehr auf 41 Prozent. Der Anteil an Unternehmen, die Homeoffice für ihre Situation oder Branche als ungeeignet erachten, ist angewachsen. Auch die Anzahl der Befragten, die angaben, dass Homeoffice tatsächlich zum Einsatz kam oder noch kommt, ist auf insgesamt 67 Prozent gesunken, gegenüber 90 Prozent bei der letzten Umfrage, bei denen die Arbeit von zu Hause vollständig oder im überwiegenden Ausmaß gelebt wurde. Demgegenüber sagen 30 Prozent der Unternehmen, dass Homeoffice maximal in geringem Maße zur Anwendung kommt. Somit sind mit Stand vor dem aktuellen Lockdown doch eine Reihe von Unternehmen offenbar zur normalen Präsenzarbeit zurückgekehrt. Dennoch zeigt der immer noch hohe Anteil an Remote-Work einmal mehr die hohe technische Ausstattung und Dienstleistungs-Orientiertheit der Unternehmens-Blog-Leserinnen und -Leser. Während zu Beginn der Pandemie die Homeoffice-Umstellung eine spontane Hau-Ruck-Aktion war, sind die Prozesse nunmehr gut eingespielt. Somit ist ein neuerlicher Switch zum Homeoffice und zurück kein Schreckensszenario mehr, die Unternehmen sind flexibler geworden.

Fünf Tage Remote-Work überwiegen weiterhin

Noch immer herrscht in den befragten Unternehmen komplettes Homeoffice vor, wenn dieses genutzt wird. In 49 Prozent der befragten Unternehmen kann die Belegschaft an fünf Tagen pro Woche zu Hause arbeiten, in weiteren 30 Prozent immerhin noch drei bis vier Tage. Hier gab es eine deutliche Veränderung, nachdem vor sechs Monaten noch über die Hälfte der Befragten (57 %) vollständiges Homeoffice umgesetzt hatten. Auch wenn sich mittlerweile Zoom und Co als Maß der Dinge etabliert haben, scheinen viele Stimmen aktuell wieder für einige Bürotage in der Woche zu plädieren, um notwendige Meetings und „Chef-Berichte“ abzuhalten. Womit wir bei der nächsten Frage wären – der technischen Ausstattung. Hier hat sich nicht allzu viel verändert, 82 Prozent der Unternehmen verfügen über die notwendige technische Infrastruktur oder benötigten nur einige Anschaffungen. Nicht überraschend ist der deutliche Rückgang bei der Antwort, dass die Mitarbeitenden eigene Geräte verwenden würden. Hier sank die Zustimmung auf 16 Prozent gegenüber 19 Prozent im Frühjahr – aber vor allem um 33 Befragte absolut. Somit wurden in der Zwischenzeit deutlich mehr Mitarbeitende mit unternehmenseigener IT ausgestattet. Das ist auch im Hinblick auf Sicherheit und Standardisierung für die befragten Unternehmen ein deutlicher Vorteil gegenüber der oftmals improvisierten Lösung der ersten Zeit der Pandemie.

Nach 18 Monaten ist Homeoffice für viele gelebte Praxis

Dass Remote-Work gekommen ist, um in der einen oder anderen Form zu bleiben, war bereits im Mai/Juni erkennbar. Diese Frage wurde nun immer noch von 64 Prozent der befragten Unternehmen mit der Implementierung einer dauerhaften Lösung beantwortet, gegenüber 67 Prozent bei der letzten Umfrage. Wo Homeoffice also möglich ist, wird es wohl zumindest für einige Tage der Woche eine permanente Einrichtung bleiben. Sofern die Belegschaft und das Management das auch für sinnvoll erachten. Denn schließlich stellte sich wieder die Frage, inwieweit die kontinuierliche Arbeit von zu Hause aus sich auf die Ergebnisse auswirkt. Während die Antworten auf die Frage, ob Homeoffice einen Einfluss auf die Produktivität hat, mehr oder weniger gleich blieben, lässt sich bei den konkreten Veränderungen durchaus eine neue Tendenz ablesen. Der Anteil der Befragten, die eine moderate Leistungssteigerung im Homeoffice verorten, ist leicht gestiegen (41 %). Dem gegenüber stehen nur noch neun Prozent, die eine sinkende Produktivität wahrnehmen (nach 11 % im Mai/Jun). So konnten Österreichs Unternehmen nach bald zwei Jahren Pandemie schon fundiertere Erfahrungswerte beim Remote-Working sammeln. Die Prozesse sind mittlerweile offenbar schon etabliert, und die Belegschaft hat sich an die neue Art zu arbeiten gewöhnt.

Modernes Arbeiten für moderne Mitarbeitende in modernen Unternehmen

Die in diesem Zusammenhang natürlich ebenfalls relevante Zufriedenheit der Belegschaft wurde nicht erhoben. Das bedürfte einer eigenen Befragung, und zwar bei den Mitarbeitenden selbst. So mag permanentes Homeoffice für einige das Paradies sein, für eine Mehrheit der Menschen scheinen aber persönlicher Kontakt mit ihren Kolleginnen und Kollegen auch im Jahr zwei der Pandemie unverzichtbar – zumindest zeitweise. Zu diesem Schluss kommt auch der D21-Digitalindex des Meinungsforschungsinstituts Kantar*, bei dem die befragten Beschäftigten in Deutschland lediglich zu 51 Prozent nach der Corona-Zeit mehr Homeoffice als davor wünschen. Bei den Führungskräften liegt dieser Anteil übrigens bei lediglich 25 Prozent. Ein weiterer Hinweis darauf, dass Individualität und gute Kommunikation in Unternehmen künftig von größerer Bedeutung sein werden, um den „War for Talents“ zu gewinnen. Gute Beschäftigte gemäß ihren Bedürfnissen zu fördern und zu fordern, wird neben angemessener Bezahlung über Verbleib oder Kündigung mitentscheiden. Die Möglichkeit zu flexiblem Arbeiten zumindest teilweise auch im Homeoffice wird daran zweifellos einen Anteil haben. So wie die Digitalisierung haben auch flexible Formen des Arbeitens einen unumkehrbaren Schub erlebt. Und das gilt unabhängig von Pandemie und Lockdowns – das ist die wahre neue Normalität.

*Quelle: Kantar D21-Digital-Index 2020/2021 – Deutschland

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