Unternehmer mit Familie

Unternehmer mit Familie

So lassen sich privates und berufliches Glück miteinander vereinbaren

Nach dem Mindset von Selbstständigen befragt, machte Univ.-Prof. Dr. Erich Kirchler im Rahmen der Volksbank Unternehmer-Studie folgende Aussage: „Unternehmer zeichnet eine hohe Leistungsmotivation und ein starkes Bedürfnis nach Unabhängigkeit und Machtausübung aus.“ Obwohl die Beschreibung für Personalverantwortliche vermutlich nach einer idealen, leistungsorientierten Führungskraft klingt, wäre sie vermutlich nicht die beste Dating-Annonce. „Mit der Arbeit verheiratet“, „Workoholic“ oder „gar keinen Kopf für Familie“ sind Vorurteile, mit denen sich Gründer regelmäßig konfrontiert sehen.

Doch was ist dran an den Stereotypen? Sind Unternehmer per Definition keine Familienmenschen? In der Volksbank Unternehmer-Studie haben wir uns eingehend mit dieser Thematik beschäftigt. In mehreren Interviews und Umfragen wurde versucht herauszufinden, ob und wie gut die Bereiche Unternehmertum und Familie miteinander vereinbar sind.

Unternehmer und Familie – geht das überhaupt?

Die einfache Antwort auf die Frage, ob es möglich ist Unternehmer zu sein und gleichzeitig eine Familie zu haben, ist ja. Wenn man ein wenig tiefer gräbt, wird jedoch schnell klar: Selbstständig zu sein und dabei ausreichend Zeit für die Familie zu haben, birgt einige Herausforderungen. Allem voran stehen hier die Arbeitszeiten, denn Entrepreneure arbeiten im Schnitt 58 Stunden die Woche – im Vergleich zu Angestellten sind dies 18 Überstunden. 

Als Hauptverantwortliche für das Wohl der eigenen Firma tragen sie ein hohes Maß an Verpflichtung gegenüber ihrem Unternehmen und ihren Angestellten. Dazu gehört es oftmals auch rund um die Uhr erreichbar zu sein. Zeit für das Familienleben zu finden wird also zum Timing-Balanceakt. Trotzdem machen viele Selbstständige jeden Tag eindrucksvoll vor, das beides geht: Erfolg als Unternehmer und ein glückliches Familienleben. Auf Basis der Ergebnisse unserer Studie haben wir versucht zu durchleuchten, was ihr Geheimnis ist.

Unternehmer-Tipps für ein glückliches Familienleben

Damit berufliches Glück das private nicht ausschließt, ist es wichtig, sich an einige grundlegende Regeln zu halten.

Kommunikation ist der Schlüssel zum Erfolg

Die meisten Menschen haben Verständnis dafür, dass Gründer viel Verantwortung tragen und viel arbeiten müssen. Wichtig ist nur, zu kommunizieren, wann dieser Mehraufwand an Arbeit anfällt und wann nicht. Hat man sich beispielsweise ein Date mit seiner Frau oder seinem Mann ausgemacht und erkennt, dass ein wichtiger beruflicher Termin dazwischenkommt, ist es besser das so früh wie möglich bekannt zu geben und einen Ersatztermin zu finden. Wenn man ehrlich zu seiner Familie ist und seine Verfügbarkeiten rechtzeitig mitteilt, wird dies zu weniger Problemen führen, als wenn man regelmäßig kurzfristig absagt. Auch Kinder schätzen Stabilität – sie werden es ihren Unternehmer-Eltern danken, wenn sie wissen, wann gemeinsame Aktivitäten geplant sind und sich dann auch über diese gemeinsame Zeit freuen, selbst wenn sie knapp bemessen ist.

Gegenseitiger Respekt ist essentiell

Für ein glückliches Familienleben ist es unabdinglich, jedem Mitglied der Familie den gleichen Respekt entgegenzubringen. Ehepartner von Unternehmern und Unternehmerinnen haben oft das Gefühl, innerhalb der Familie weniger respektiert zu werden. Dies geschieht, wenn ein Großteil der Redezeit der Tätigkeit des selbstständigen Familienmitglieds gewidmet ist. Hier ist der Apell an alle Gründer: Nehmen Sie alle Familienmitglieder gleich ernst. Es ist wichtig, jedem ausreichend Interesse entgegenzubringen. Denn auch wenn andere Tätigkeiten im Vergleich zum eigenen Terminkalender vielleicht trivial erscheinen, sind sie doch ein zentraler Bestandteil des Lebens des Gegenübers. Das gilt natürlich auch für Kinder – der Schultag des Sprösslings ist nicht weniger wichtig als der Tag von Mutter oder Vater als Unternehmer.

Grenzen schaffen, wo es möglich ist

Nach ihrer Work-Life-Balance gefragt, gaben  58% der Studienteilnehmer an, wenig oder kaum Freizeit zu haben. Wenn man jedoch den Anspruch hat, nicht nur Selbstständiger zu sein, sondern auch Familienmensch, ist es essentiell, Platz für Freizeit zu schaffen.

Eine Möglichkeit ist beispielsweise den Angestellten klar zu kommunizieren, sich ab einer bestimmten Uhrzeit nur mehr mit Dingen zu melden, die keinesfalls bis zum nächsten Tag warten können. Alternativ könnte man ein Prioritäten-System einführen, wie es bereits viele Firmen implementiert haben. Dabei werden E-Mail-Betreffe immer mit einer Priorität anfangen – etwa „Priorität C: Druckertinte bestellen“. Dinge, die noch am selben Tag die Aufmerksamkeit benötigen werden als „Wichtig“ markiert. Die meisten Maildienste bieten die Option an, nur diese Nachrichten auch am Handy aufscheinen zu lassen – so erhält man in der Freizeit keine störenden Benachrichtigungen. Auch die meisten Geschäftspartner und Kunden sind nicht böse, wenn man ihnen mitteilt, dass man ab einer gewissen Uhrzeit nur noch bei dringenden Fällen am Mobiltelefon erreichbar ist. So schafft man sich Raum, um der Familie die volle Aufmerksamkeit widmen zu können, bleibt im Ernstfall aber verfügbar.

PartnerIn von Selbstständigen – es ist nicht immer einfach

Als Partnerin oder Partner eines Selbstständigen hat man es oft nicht leicht. Die Person, mit der man sein Leben verbringen möchte, ist zeitlich sehr eingespannt und die Arbeit beschäftigt sie teils auch im privaten Bereich stark. Hier ist eine große Portion Verständnis, Einfühlungsvermögen und oftmals auch tatkräftige Unterstützung gefordert. Dies bleibt aber bei den Unternehmern dieses Landes nicht ungeachtet. Nahezu jeder befragte Gründer der Volksbank Unternehmer-Studie hatte dankende und liebende Worte für den Partner oder die Partnerin übrig.

Für eine nachhaltig gestärkte Partnerschaft ist es jedoch auch wichtig, dass die unterstützende Person ihre eigenen Bedürfnisse einbringen kann. Auch hier ist Kommunikation der Schlüssel zum Erfolg: Teilen Sie Ihrem Partner oder Ihrer Partnerin mit, wenn Sie sich gemeinsame Zeit wünschen oder sich vernachlässigt fühlen. Durch gemeinsames aufeinander Achten, kann man zusammen den Spagat zwischen Selbstständigkeit und Familie meistern!

Spezialfall Unternehmerfamilie

Wenn man gemeinsam als Familie einen Betrieb führt oder die eigenen Familienmitglieder in der Firma eines Gründers mitarbeiten, ist es wichtig, den beruflichen Bereich so gut es geht vom privaten zu trennen, um die Harmonie zu wahren. Auch wenn man sich schon in der Arbeit gesehen hat, sollte man sich trotzdem im Privaten treffen, um gemeinsame Erlebnisse auf dieser Ebene zu schaffen. Konflikte aus der Arbeit sollten dagegen nicht mit nach Hause genommen werden.

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