Ein Blick in die Zukunft für Unternehmer

Ein Blick in die Zukunft für Unternehmer

Was sich für Selbstständige in Zukunft ändern wird und was gleich bleibt

Wie die Zukunft des Arbeitslebens aussieht, ist ein Thema, die Menschen seit jeher beschäftigt. Wird eine Branche künftig automatisiert? Gibt es eine bestimmte Position bald nicht mehr? Diese und ähnliche Fragen musste sich wohl ein Großteil aller Arbeitnehmer im Laufe ihrer Karriere schon einmal stellen.

Doch welchen Einfluss hat der Zahn der Zeit auf die Figur des Unternehmers? Bleiben die Faktoren, die diese zentrale Person des Wirtschaftslebens ausmacht, stets die gleichen oder sind sie in konstanter Veränderung? In der Volksbank Unternehmer-Studie haben wir Selbstständige zu genau diesem Thema befragt und zudem mit Zukunftsforscher Harry Gatterer über die Zukunft der Gründer gesprochen.

Unternehmerstudie – Bilanz und Zukunft

Die Befragung im Rahmen der Volksbank-Studie hat interessante Ergebnisse ans Licht gebracht. Wie zufrieden Unternehmer aktuell sind und welche Hoffnungen und Ängste sie für die Zukunft hegen, ist teils überraschend.

Ganz allgemein ist die Gruppe der Selbstständigen jedoch eine nachhaltig glückliche. Mehr als 90% der Gründer sind mit ihrem Leben als Unternehmer zufrieden und knapp 80% würden sich erneut für den Weg in die Selbstständigkeit entscheiden. Doch auch Unternehmer sind vor Zukunftsängsten nicht gefeit. Als größte Herausforderungen für die Zukunft sehen sie die Behauptung gegenüber der Konkurrenz, Bürokratie und Steuern, Innovation und technische Entwicklung, beziehungsweise das Mithalten mit der technischen Entwicklung sowie die Suche nach qualifiziertem Personal.

Die wichtigsten Ziele, die sich die befragten Selbstständigen für die Zukunft gesetzt haben sind das Erreichen einer höheren Kundenzufriedenheit, eines höheren Ertrags, sowie ein verstärkter Fokus auf Nachhaltigkeit. Auch das Erhalten oder Steigern von Qualität, Innovation, Wachstum und Verkauf sind wichtige Themen für die Befragten. Doch welche Schritte muss ein Selbstständiger heutzutage setzen, um all diese Ziele zu erreichen, den Herausforderungen standzuhalten und ideale Rahmenbedingungen für langfristigen Erfolg zu schaffen?

Ko-Kreativität als Schlüssel zum Erfolg

Um als Unternehmer auch in Zukunft erfolgreich zu sein, muss man mit der Zeit gehen. Dazu gehört auch eine Anpassung des eigenen Führungsstils. Aktuell ist der weit verbreitetste Managementstil unter Gründern der „heroische“. Das bedeutet besonders viele Aufgaben an sich selbst zu reißen, in allen Bereichen des Unternehmens involviert zu sein und auch abteilungsübergreifend Know-How möglichst zentral zu bündeln.

Laut Zukunftsforscher Harry Gatterer wird diese Art der Geschäftsführung aber bald der Vergangenheit angehören. Durch zunehmend komplexere Unternehmensstrukturen und sich verändernde Wirtschaftsbereiche ist diese Konzentration von Kompetenzen in einer Person bald nicht mehr möglich. Zudem hat die Generation Y – alle im Zeitraum der frühen 1980er bis zu den späten 1990er Jahren Geborenen – auch überhaupt kein Interesse daran, sich eine derart gewaltige Verantwortung und zeitliche Verpflichtung aufzulasten. Stattdessen wird die Rolle eines Managers laut Gatterer künftig vermehrt darin bestehen, ein Team aus Experten zusammenzustellen und als Coach und Führungsfigur zu agieren. Die ausgewählten Profis sollen ihren Bereich nahezu selbstständig managen und von der Expertise und Erfahrung der anderen Spezialisten profitieren. Fachliche Skills und Spezialisierung der Angestellten sind also essentiell. Dadurch werden für jeden Räume geschaffen, um sich auf den jeweiligen Spezialbereich zu konzentrieren. So soll ein blühendes System der Ko-Kreativität geschaffen werden. Jeder bringt sich mit den Themen ein, die er beherrscht und profitiert von einem Netz aus fokussiert arbeitenden Menschen. Doch welche Eigenschaften braucht ein Unternehmer, um das zu ermöglichen?

Emotionale Intelligenz und Beobachterqualität als wichtigste Kompetenzen für Unternehmer der Zukunft

Die Zeiten in denen es ausreichte, ein Handwerk zu beherrschen und einige treue Angestellte um sich zu scharen, um erfolgreich zu sein, gehören der Vergangenheit an. Als Unternehmer mit Angestellten muss man in Zukunft einige ausgeprägte Sozialkompetenzen an den Tag legen. Nur so kann der Erfolg langfristig garantiert werden.

Zukunftsforscher Harry Gatterer, der mit seiner besonderen Herangehensweise der Zukunftsforschung international erfolgreich ist, nennt dabei zwei essentielle Kernkompetenzen: emotionale Intelligenz und Beobachterqualität. Ersteres beschreibt die Fähigkeit, eigene und fremde Emotionen richtig wahrzunehmen, zu verstehen und auch zu beeinflussen. Diese Kompetenz ist seit jeher einer der wichtigsten Skills für Gründer. Sie ist unabdinglich um sowohl auf Mitarbeiter, als auch auf Geschäftspartner und Verhandlungsgegner richtig eingehen zu können und ihnen unter Beachtung der eigenen Interessen, das zu bieten, wonach sie suchen. So fühlen sich Leute verstanden und werden die weitere Zusammenarbeit suchen.  Dies führt zu sogenannten Win-Win Situationen.

„Beobachterqualität heißt, dass ich noch hinschaue, wo in meinem Unternehmen systemisch relevante Umbrüche stattfinden, und diese dann wieder in das Unternehmen spiegle, ohne starre Ideen vorzugeben. Das ist das Fördern des Teams, das Zulassen von Ideen und Gedanken aus den Teams heraus, das Umstellen auf das, was man auch Network of Stars nennt,“ so der Geschäftsführer des Zukunftsinstituts. Die Beobachterqualität ist also wichtig, um das System der Ko-Kreativität zu ermöglichen.

60-Stunden-Woche soll bald der Vergangenheit angehören

Zukunftsorientiert einen Betrieb zu führen, bedeutet auch alle Rahmenbedingungen des Arbeitsalltags für Angestellte und Mitarbeiter zeitgerecht anzupassen. Für viele Arbeitnehmer ist die wichtigste Rahmenbedingung der Arbeitswelt nach wie vor die Arbeitszeit.

In den Medien kommt man kaum noch an diesem Thema vorbei – verkürzte Arbeitszeiten liegen im Trend. Immer mehr Firmen starten Testläufe im Bereich der Arbeitszeitverkürzung, teils bei vollem Lohnausgleich. Die Vorteile sollen gesteigerte Produktivität und zufriedene Mitarbeiter sein. Eine einheitliche Vier-Tage-Woche scheint in den meisten Berufen noch Utopie zu sein und ganz so wird es Experten zu Folge schlussendlich auch nicht sein.

Dass jedoch die Generation Y wenig bis kein Interesse an der 60-Stunden-Woche hat, ist auch bewiesen. Als Unternehmer muss man sich mit diesen Realitäten auseinandersetzen, um seine Mitarbeiter langfristig und nachhaltig zufrieden zu stellen. Durch kompetenzbasierte Firmenstrukturen (siehe oben) ist es zumindest möglich, regelmäßige Überstunden zu reduzieren und Raum für wichtige Dinge zu lassen – auch für Gründer selbst. Denn laut der Studie der Volksbank, arbeiten Selbstständige im Schnitt 58 Stunden pro Woche.

Was für Unternehmer gleichbleiben wird

Neben all der Veränderung, dürfen sich Gründer aber auch über einige zeitlose Konstanten in ihrer Lebenswelt freuen. Denn was sich niemals ändern wird, ist der Bedarf an zielstrebigen motivierten Personen, die für eine Sache brennen. Bei allen strukturellen und technischen Wandelungen wird eines immer gleich bleiben – das Mindset, das Selbstständige mitbringen müssen, um im Wirtschaftsleben bestehen zu können. Jemand der genug Ehrgeiz, Motivation und Eifer aufweist, um für seine Unternehmung zu kämpfen, wird stets erfolgreich sein.

Der Typus des Unternehmers hat noch lange nicht ausgedient.

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