Welche Ausbildung brauchen Unternehmer?

Welche Ausbildung brauchen Unternehmer?

Ein Blick auf den Ausbildungshintergrund der österreichischen Unternehmer.

Entrepreneur, Stratege, Visionär, Manager, Marketingexperte und oft auch Personalverantwortlicher – Unternehmer sind meist Allround-Talente in vielen Fachgebieten. Doch welche Ausbildung braucht man, um als Gründer erfolgreich zu sein? Muss man studieren oder kann auch eine Lehre zielführend sein? Gibt es die ideale Ausbildung für Selbstständige überhaupt? Die Volksbank Unternehmer-Studie geht dieser Thematik nach und hat einen Blick auf den Ausbildungshintergrund der österreichischen Unternehmer geworfen – mit interessanten Ergebnissen.

Viele Wege führen zum Unternehmertum

Die Frage, ob es den einen, idealen Weg zum Unternehmertum gibt, kann mit einem klaren Nein beantwortet werden. Dies kommt in mehreren Interviews und Umfragen unter den österreichischen Entrepreneuren zu Tage. Denn so unterschiedlich die einzelnen Unternehmen sind, so verschieden sind auch die Lebensläufe der dahinterstehenden Selbstständigen. Absolvierte der Eine ein klassisches Betriebswirtschaftsstudium an einer Universität, kam die Andere nach der Schule über eine handwerkliche Lehre zum Unternehmerdasein, während der Dritte als Quereinsteiger neben einer Tätigkeit als Angestellter in die Selbstständigkeit fand.

Formelle Ausbildung versus Learning by Doing

Ein klares Bild zeichnet sich jedoch beim Bildungsgrad der Entrepreneure Österreichs ab, weisen diese doch ein überdurchschnittlich hohes Bildungsniveau im Vergleich zur allgemeinen Bevölkerung auf. 44% haben zumindest Matura oder einen vergleichbaren Schulabschluss (Abitur). 20% verfügen sogar über einen akademischen Abschluss. Im Schnitt haben Gründer somit rund 1,5 Mal häufiger Matura und akademische Abschlüsse als der österreichische Durchschnitt.

Ein Blick auf die Art der Qualifikation für den Unternehmerberuf zeigt, dass fast 70% der Studienteilnehmer eine entsprechende formelle Ausbildung abgeschlossen haben. Dem gegenüber steht rund ein Viertel der Befragten, die angeben getreu dem Motto „Learning by Doing“ ins Unternehmertum hineingewachsen zu sein. Aus der Volksbank-Studie geht hervor, dass dies mit 30% besonders bei Ein-Personen-Unternehmens verbreitet ist.

Gibt es den optimalen Studiengang für Unternehmer?

Ganz allgemein gehalten, sind kaufmännische Kenntnisse immer von Vorteil. Je nach Art der angestrebten Unternehmung, empfehlen sich weitere unterschiedliche Vorerfahrungen und Ausbildungswege. Hinzu kommt auch die persönliche Bereitschaft des Einzelnen, einen akademischen Abschluss an einer Universität zu erlangen oder eine praktische Lehre abzuschließen. Für studierwillige, angehende Unternehmer gibt es neben dem Betriebswirtschaftsstudium vermehrt auch spezielle Studiengänge, die sich gezielt mit der Thematik der Firmengründung auseinandersetzen und nützliches Know-How sowie Fachwissen rund um Unternehmensführung, Personalführung, Management und auch Persönlichkeitsentwicklung vermitteln.

Passende Bachelorstudiengänge hierzu sind etwa:

Abseits dieser Grundlagenstudien kann aber auch ein fachspezifischeres Studium eine gute Voraussetzung sein. Ist beispielsweise eine Unternehmensgründung im Bereich Werbung oder Marketing geplant, kann ein Studium der Kommunikationswissenschaft die nötige fachliche Kompetenz verschaffen. Grundsätzlich gilt: Fachliche Qualifikationen sind organisatorischen Fähigkeiten in den meisten Fällen vorzuziehen. In der Mehrzahl der Studiengänge hat man zudem die Option im Rahmen sogenannter „freier Wahlfächer“ oder „Erweiterungscurricula“ eine gewisse Anzahl an Kursen aus anderen Studienrichtungen zu belegen. Dies wäre eine gute Möglichkeit, um sich relevante Grundkenntnisse der Betriebswirtschaften anzueignen. An den meisten großen österreichischen Universitäten gibt es hierfür sogar eigene Wahlfach-Körbe, die Titel wie „Entrepreneurship“ tragen. An der Universität Wien sieht dies beispielsweise so aus:

Unternehmerkarriere mit Lehre

Prinzipiell kann sich jeder, der einen Beruf erlernt hat, selbstständig machen und ein Unternehmen gründen. In bestimmten Branchen, Gewerben und Handwerken kann aber ein Nachweis der Befähigung verpflichtend sein, wie dies zum Beispiel bei Vermögensberatern, Immobilientreuhänder oder Baumeistern der Fall ist. Eine fundierte Lehre gibt in jedem Fall Einblick in die praktischen Anforderungen eines bestimmten Berufes und kann bei der Formung der Unternehmerpersönlichkeit dienlich sein.

Für handwerklich ausgebildete Personen, die sich mit dem Gesellen- oder Meisterbrief selbstständig machen wollen, ist es ratsam, die betriebswirtschaftlichen Kenntnisse vor der Gründung ein wenig aufzufrischen. Schließlich war man in der Regel länger nicht mit diesen Themen in Kontakt als Entrepreneur-Kollegen, die den universitären Weg gegangen sind. Passende Kurse und Schulungen für angehende Gründer mit Lehrabschluss gibt es etwa am WIFI oder an diversen Volkshochschulen. Nachfolgend finden Sie eine Zusammenfassung der Angebote. Die angeführten Überblicke sind jeweils auf Wien ausgerichtet. Auf den Seiten der jeweiligen Länderorganisationen der Bildungseinrichtungen findet sich jeweils ein vergleichbares Angebot.

Unternehmerkarriere ohne formelle Ausbildung

Bill Gates (Microsoft) hat keinen Collegeabschluss und Richard Branson (Virgin Group) hat noch nicht einmal die Schule zu Ende gemacht. Jeder kennt die Beispiele von Entrepreneuren, die völlig ohne formelle Ausbildung sehr erfolgreich wurden. Grundsätzlich spricht auch nichts dagegen! Jeder der eine gute Idee, starkes Durchhaltevermögen und eine Fähigkeit hat nach der Bedarf besteht, kann als Unternehmer Erfolg finden.

Ohne formelle Ausbildung sollte man einige Dinge vor der Gründung jedoch besonders hinterfragen. Hat man genug Expertise in einem Bereich für die Selbstständigkeit? Wie oben beschrieben, ist hier bei einigen Gewerben ein Nachweis notwendig. Bringt man genug betriebswirtschaftliche Kenntnisse mit? Auch hier empfehlen sich Weiterbildungen an diversen Bildungsinstituten wie WIFI oder VHS (siehe oben).

Persönlichkeit und Mindset vor Ausbildung

Viel wichtiger als eine formelle Ausbildung sind für den Erfolg als Unternehmer jedoch die Charaktereigenschaften und das Mindset, durch das sich Selbstständige auszeichnen. Auch hier gibt die Volksbank Studie Aufschluss darüber, was erfolgreiche Unternehmerpersönlichkeiten ausmacht. Aus Sicht der österreichischen Gründer ist Durchsetzungsfähigkeit (61%) die mit Abstand wichtigste Charaktereigenschaft, gefolgt von Geschäftstüchtigkeit (32%) und emotionaler Intelligenz (19%). Dabei lässt sich ein klarer Generationenunterschied erkennen, denn den unter 45-Jährigen sind Durchsetzungskraft, Flexibilität und Optimismus deutlich wichtiger als den über 60-Jährigen, die vor allem die Bedeutung der Geschäftstüchtigkeit und Authentizität betonen. Mehr dazu in unserem Blogtext zu diesem Thema.

Letztendlich trägt zum unternehmerischen Erfolg die individuelle Leistungsmotivation und Eigeninitiative bei, sodass auch Learning by Doing erfolgsversprechend ist. Die Entscheidung für oder gegen eine spezifische Ausbildung muss daher persönlich abgewogen werden.

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