Unternehmer und Arbeitszeit: Wenn die 60-Stunden-Woche glücklich macht

Unternehmer und Arbeitszeit: Wenn die 60-Stunden-Woche glücklich macht

Unternehmer arbeiten für gewöhnlich viel. Nicht ohne Grund beschreiben Selbstständige ihr Berufsleben gerne mit dem Wortspiel „selbst und ständig“ – man ist als Unternehmer eben weitgehend auf sich selbst gestellt und muss ständig dafür sorgen, dass alles läuft. Aber Wortspiele beiseite: Wie viel arbeiten Selbstständige in Österreich wirklich? Genau dieser Frage hat sich die Volksbank Unternehmer-Studie angenommen – und ja, sie belegt das Klischee des vielarbeitenden Unternehmers. Sie zeigt aber auch: Selbstständige sind mit ihrem Berufsleben überdurchschnittlich zufrieden. Wie passt das zusammen?

Unternehmer leisten eine Arbeitszeit von durchschnittlich 58 Stunden pro Woche

Im Rahmen der Volksbank-Studie wurden österreichweit über 1.000 Entrepreneure unter anderem nach ihren Arbeitsgewohnheiten befragt. Gemäß dieser repräsentativen Umfrage arbeiten Selbstständige in Österreich durchschnittlich 58 Stunden pro Woche. Gearbeitet wird im Schnitt an 5,9 Tagen die Woche – so viel zum freien Wochenende. Besonders viel wird in der Land- und Gastwirtschaft gearbeitet: Hier haben Unternehmer mit 6,6 bzw. 6,4 Arbeitstagen pro Woche praktisch keinen einzigen freien Tag in der Woche. Interessant ist auch, dass es hier scheinbar Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt: Während unternehmerische Frauen im Durchschnitt 54 Stunden arbeiten, sind es bei Männern 59 Stunden.

 

Wenig Zeit für Urlaub in der Selbstständigkeit

Durch die ständig erforderliche Bereitschaft bleibt Selbstständigen meist nur wenig Zeit für Urlaube übrig. Laut Studie nehmen sich Unternehmer zwar durchschnittlich knapp 21 Urlaubstage pro Jahr. Diese Zahl umfasst aber auch die Wochenenden, an denen ja meistens auch gearbeitet wird. Rechnet man die Wochenenden heraus, bleiben den Selbstständigen im Durchschnitt nur 15 Tage Urlaub jährlich – nicht gerade üppig.

Unternehmer und Work-Life-Balance: ein Widerspruch?

Vor lauter Arbeit kann es Unternehmern schnell passieren, dass die persönliche Work-Life-Balance aus dem Gleichgewicht gerät. Auf den ersten Blick bestätigt die Volksbank-Studie auch das Bild des getriebenen, ständig beschäftigten Entrepreneurs. So meinen 58% der Befragten, über wenig oder kaum Freizeit zu verfügen. Aber kann man daraus schließen, dass die Mehrheit der Unternehmer überarbeitet ist und sich am Rande eines Burnouts befinden? Eher nein. Dagegen spricht neben den hohen Zufriedenheitswerten vor allem die Tatsache, dass der Begriff Work-Life-Balance für die meisten Unternehmer grundsätzlich ungeeignet ist. Denn er impliziert, dass arbeiten automatisch „nicht leben“ bedeutet – gerade für Selbstständige eine sehr unrealistische Annahme.

Zufrieden trotz hohem Arbeitspensum

Aber kommen wir von den Annahmen wieder zurück zu den harten Fakten. Denn, wie die Studie der Volksbank belegt, beschränkt die überdurchschnittlich lange Arbeitszeit Unternehmer nicht in ihrer Lebenszufriedenheit: Nicht weniger als 93% geben an, mit ihrem Berufsleben zufrieden zu sein und knapp 80% sagen, sie würden sich auch heute wieder sofort für das Unternehmertum entscheiden. Nur 6% wären heute lieber Angestellte mit geregelten Arbeitszeiten.

 

Wer seinen Beruf liebt, arbeitet gerne viel

Es scheint also, dass Unternehmer ihre 60-Stunden-Wochen überwiegend positiv erleben. Überraschend ist das nicht. Denn man kann davon ausgehen, dass sich Entrepreneure die meiste Zeit ihres Berufslebens damit beschäftigen, ihre Träume und Visionen zu realisieren – sonst hätten sie den Schritt in die Selbstständigkeit nicht gewagt. Das Geheimnis muss wohl in der Motivation liegen. Und die scheint bei Unternehmern zu stimmen.

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