Wie Unternehmen den Gewinnfreibetrag nutzen können

Wie Unternehmen den Gewinnfreibetrag nutzen können

KMU können mit gewissen Maßnahmen ihr steuerliches Ergebnis optimieren. Eine Möglichkeit liegt in der Ausnutzung des Gewinnfreibetrages. Ein Leitfaden, wie Unternehmen mit dem Gewinnfreibetrag Steuern sparen können.

Die Beschäftigung mit Steuerfragen ist eine mitunter komplizierte, aber oft lohnende Tätigkeit. Wie kann man Steuern sparen? Gerade der Herbst ist ein guter Zeitpunkt für Unternehmer, um sich noch einen Steuervorteil zu verschaffen. Sie sollten sich rechtzeitig die Ergebnisse ansehen und eine Prognoserechnung für das Jahr erstellen, um noch Maßnahmen setzen zu können. Eine Möglichkeit für KMU, um das steuerliche Ergebnis zu optimieren, ist, den Gewinnfreibetrag zu nutzen. Dieser ist vergleichbar mit dem steuerbegünstigten 13. und 14. Gehalt (Urlaubs- und Weihnachtsgeld) bei den Dienstnehmern verglichen werden. Bei entsprechenden Investitionen kann der Gewinnfreibetrag bis maximal 45.350 Euro geltend gemacht werden – dafür ist dann keine Einkommenssteuer zu zahlen. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass die betreffenden Investitionen noch vor dem Jahreswechsel getätigt werden müssen.

Was ist der Gewinnfreibetrag?

Der Gewinnfreibetrag setzt sich grundsätzlich aus zwei Teilen zusammen:

  • der Grundfreibetrag: Für die ersten 30.000 Euro Gewinn sind keine Investitionen erforderlich, sie werden automatisch für den Gewinnfreibetrag berücksichtigt.
  • der investitionsbedingte Gewinnfreibetrag. Gewinnteile über 30.000 Euro müssen entsprechend investiert werden, damit sie für den Gewinnfreibetrag geltend gemacht werden können. Hierfür ist ein Nachweis in der Steuererklärung notwendig. Voraussetzung ist die Anschaffung von abnutzbaren körperlichen Anlagegütern (Geräte, Maschinen, Geschäftsausstattung oder auch Gebäude) oder bestimmten Wertpapieren.

In Anspruch nehmen können ihn natürliche Personen, die Einkünfte aus einer betrieblichen Tätigkeit (Land- und Forstwirtschaft, Gewerbebetrieb, selbstständige Arbeit) erzielen.

Wieso ergibt der Gewinnfreibetrag Sinn?

  • Für den investierten Gewinnfreibetrag bezahlen Unternehmen keine Einkommenssteuer. Je nach Steuerprogression ist die Investition eine mitunter erhebliche Steuerersparnis. Bei 50 Prozent Progression beträgt sie bis zu 22.675 Euro.
  • Die Anschaffungskosten wirken doppelt gewinnmindernd: Einerseits werden die Kosten im Jahr der Anschaffung über den Freibetrag abgesetzt und andererseits kann die volle Abschreibung geltend gemacht werden.
  • Bei Investitionen in Wertpapiere haben Unternehmer die Chance auf eine Wertsteigerung.
  • Unternehmen können steuerlich vergünstigte Rücklagen bilden, über die sie nach 4 Jahren frei verfügen können.
Gewinnfreibetrag Volksbank

So funktioniert der Gewinnfreibetrag im Detail

Grundfreibetrag: Für Gewinne bis 30.000 stehen 13 Prozent des Gewinns als Grundfreibetrag zu = maximal 3.900 Euro. 

Investitionsbedingter Gewinnfreibetrag:

  • 13 Prozent für den Gewinnteil von über 30.000 Euro bis zu 175.000 Euro.
  • 7 Prozent für den Gewinnteil zwischen 175.000 und 350.000 Euro
  • 4,5 Prozent für den Gewinnteil zwischen 350.000 und 580.000 Euro.

Die Höchstbemessungsgrundlage liegt bei 580.000 Euro. Alles was darüber ist, bleibt beim maximalen Gewinnfreibetrag von 45.350 Euro.
Tipp: Unternehmer sollten nicht ins Blaue investieren, sondern sich überlegen, welche Investitionen wirklich gebraucht werden. Wer keine Investitionen in abnutzbare körperliche Anlagegüter mehr geplant hat, kann in Wertpapiere investieren. Ihr Bankbetreuer berät Sie gerne darüber, welche Wertpapiere dazu besonders geeignet sind.

Investition in Wertpapiere: Was bei der Umsetzung mit der Bank zu beachten ist?

  • Die Wertpapiere müssen zum 31.12. am Wertpapierdepot gebucht sein. Die Order sollte daher zeitgerecht getätigt werden, denn nicht alle Wertpapiere können am 31.12. noch gekauft werden. Für die jeweiligen Wertpapiere gelten unterschiedliche Fristen am Jahresende (letzte Kaufmöglichkeit).
  • Die Verwahrung muss in einem betrieblichen Depot erfolgen (nicht mit privaten Beständen vermischen).
  • Die Abrechnung sollte über das betriebliche Konto erfolgen.
  • Die Behaltefrist läuft von Tag zu Tag. Sie endet vier Kalenderjahre nach diesem Tag. Die Bank sollte den Wertpapierkauf für die 4-jährige Haltedauer kennzeichnen.

Ein Beispiel für die Berechnung:

Ein Betrieb erzielt im Jahr 2021 einen Gewinn in der Höhe von 200.000 Euro. Noch im selben Jahr hat der Unternehmer 18.000 Euro in begünstigte Wertpapiere oder abnutzbare körperliche Anlagegüter investiert. Der Gewinnfreibetrag berechnet sich wie folgt.

Grundfreibetrag bis 30.000 Euro Gewinn (13 Prozent): 3.900 Euro
Investitionsbedingter Gewinnfreibetrag

  • Gewinnteil bis 175.000 (13 Prozent): 145.000 x 0,13 = 18.850 Euro.
  • Gewinnteil zwischen 175.000 und 350.000 Euro (7 Prozent): 25.000 x 0,07 = 1.750 Euro

Der Investitionsbedingte Gewinnfreibetrag macht in Summe 20.600 Euro aus

Um den Gewinnfreibetrag bestmöglich auszunützen, hätte der Unternehmer um 2.600 Euro mehr investieren können. (Weitere Berechnungsbeispiele finden Sie hier.)  


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