Flexible Arbeitsmodelle sind der Schlüssel

Flexible Arbeitsmodelle sind der Schlüssel

Wenn man der Corona-Pandemie etwas Gutes abgewinnen kann, dann das Vorantreiben von Trends, die Arbeitgebern und Arbeitnehmern Vorteile bringen. Allerdings fehlen noch die optimalen Rahmenbedingungen für eine Flexibilisierung der Arbeitsmodelle und somit der gesamten Arbeitswelt.

Skepsis gegenüber Homeoffice sinkt

Zwei Trends wurden durch Corona beschleunigt: Die Digitalisierung und Homeoffice, auch Remote Work genannt. Beide Trends haben Telearbeit von einem ungeliebten zu einem bevorzugten Arbeitsmodell gemacht. Vor COVID-19 war Homeoffice nur in wenigen Unternehmen anerkannt. Microsoft hat sich in der Studie „Work.Reworked 2020“ bei rund 9000 Konzernen in Europa umgehört, welche Erfahrungen sie mit Homeoffice und mobiler Arbeit gemacht haben und wie sich das auf die Unternehmenskultur auswirkt. Aus der Studie geht hervor, dass vor 2020 gerade einmal 14 Prozent der befragten Unternehmen flexible Arbeitsmodelle angeboten haben. Zu groß war die Angst der Arbeitgeber, dass die Produktivität leiden würde, wenn die Mitarbeiter nicht im Büro sind.

Corona als Stresstest für neue Arbeitsmodelle

In der Corona-Krise hat sich unser Alltag verändert, denn im Lockdown verbrachten wir viel mehr Zeit zu Hause. Wohnen und Arbeiten verschmolzen dadurch immer stärker. Für flexible Arbeitsmodelle war diese Zeit eine ultimative Testphase – mit einem erstaunlichen Ergebnis: Statt 14 Prozent sind es nun knapp 70 Prozent der Unternehmen, die flexible Arbeitsmodelle anbieten. Viele Arbeitgeber haben erkannt, dass ihre Mitarbeiter auch von zu Hause aus Leistungen erbringen. Rund 80 Prozent der Führungskräfte meinen in der Microsoft Studie, dass die Mitarbeiter im Homeoffice gleich viel oder sogar mehr arbeiten als im Büro. 

Mitarbeiter entdecken die Qualität des Büros

Für die Mitarbeiter hat Remote Work den großen Vorteil, dass der Weg zur Arbeit wegfällt. Diese Zeitersparnis kann man für Hobbys und Familie aufbringen. Aber viele Personen haben durch das verordnete Homeoffice auch die Qualitäten eines Großraumbüros kennengelernt. Einerseits jene, die in den eigenen vier Wänden nicht den Luxus eines eigenen Arbeitszimmers vorfinden. Andererseits fallen zu Hause auch die sozialen Kontakte weg. Ideen und Innovationen entstehen eher im direkten Austausch zwischen Menschen.

Büroräumlichkeiten verändern sich  

Immobilienexperten erwarten nicht, dass der Bedarf an Bürogebäuden nach der Corona-Krise aufgrund des Homeoffice-Booms stark zurückgehen wird. Aber die Büros erleben in ihrer Innenausstattung und Raumaufteilung eine Veränderung. Klassische Großraumbüros haben ausgedient. Gefragt sind Nischenarbeitsplätze für konzentriertes, selbständiges Arbeiten, kombiniert mit Businesslobbys und Gemeinschaftsräumen, in denen Teamwork im Fokus steht. Statt fixen Büroarbeitsplätzen werden sich „shared spaces“, also Arbeitsplatzteilung, durchsetzen. Für Unternehmen lassen sich Kosteneinsparungen durch flexiblere Teams und nicht benötigte Büroflächen erzielen. 

Neue Formen der Arbeitsmodelle

Die Arbeit wird produktiver, weil sich bei der Kombination aus Homeoffice und Büro die unterschiedlichen Aufgaben effizienter angehen und lösen lassen. Das bestätigt auch die Microsoft-Umfrage: Die Mehrheit der Führungskräfte ist für ein Hybridmodell aus Büro und Homeoffice. Digitalisierung und flexiblere Arbeitsplätze werden den Arbeitsalltag verändern. Klassische „nine to six“-Arbeitsmodelle sind am absteigenden Ast. Flexible Arbeitsmodelle erlauben, dass viele Arbeitsprozesse ort- und zeitunabhängig stattfinden können. Eine komplette Umstellung auf Telearbeit wird nur in den wenigsten Fällen Sinn machen. Für Arbeitgeber liegt die große Herausforderung im Ausloten der optimalen Mischung der unterschiedlichen Arbeitsmodelle.

Die Vor- und Nachteile von Homeoffice und Telearbeit

+ Vorteil: freie Arbeitszeiteinteilung 
– Nachteil: Um in den eigenen vier Wänden auf dieselbe Arbeitsintensität zu kommen, bedarf es optimaler Ausstattung und Räumlichkeit, aber vor allem auch Disziplin

+ Vorteil: länger schlafen, mehr Zeit für Freizeit
– Nachteil: Trifft nur zu, wenn man fürs Homeoffice einen eigenen Raum hat, in dem man konzentriert die Arbeit erledigen kann. Ist kein eigener Arbeitsbereich im trauten Heim verfügbar, kann sich durch die fehlende Konzentration und den hohen Ablenkungsfaktor die tatsächliche Freizeit sogar verringern 

+ Vorteil: Für Videokonferenzen stehen immer reibungslosere Streamingportale zu Verfügung und Online-Meetings sind in der Regel kürzer und effizienter
– Nachteil: Bei Online-Meetings entstehen seltener konstruktive Diskussionen, die oft den entscheidenden Input erzielen

+ Vorteil: Durch Online-Meetings erspart man sich Dienstreisen
– Nachteil: Der Mensch ist ein soziales Wesen. Wertvoller Input entsteht teilweise erst im persönlichen Kontakt

+ Vorteil: Im Homeoffice gibt es keinen Dresscode. Das Outfit ist Nebensache
– Nachteil: Psychologisch gesehen kann eine zu legere Kleidung arbeitshemmend sein und somit negative Auswirkungen auf die Arbeitsmoral haben

Breitere Auswahl an Fachkräften

Prinzipiell bietet der Trend, nicht mehr im Büro anwesend sein zu müssen, die Chance, Mitarbeiter aus sehr großen Entfernungen zu engagieren. Darin sehen manche Experten sogar eine Lösung für das Problem des Fachkräftemangels. Davon profitieren auch potenzielle Arbeitnehmer, weil ihnen plötzlich auch Unternehmen offen stehen, die bisher aufgrund der Distanz nicht zur Diskussion standen.

Wo die Gefahren lauern

Ende 2020 hat die Unternehmen Zukunft-Studie unter der Leitung von Sophie Karmasin rund 500 Unternehmen und mehr als 500 Beschäftigte zum Thema Homeoffice befragt. Am deutlichsten stellte sich heraus, dass die Rahmenbedingungen für flexible Arbeitsformen noch unzureichend sind. Fast 80 Prozent der Befragten beurteilten die derzeitigen Rahmenbedingungen als problematisch. Es bedarf arbeitsrechtlicher Adaptionen, welche Arbeitsleistungen die neuen Modelle beinhalten. Denn die theoretische Möglichkeit, rund um die Uhr zu arbeiten, hat auch Auswirkungen auf die Verfügbarkeit. Arbeitsjuristen sehen die Gefahr, dass Homeoffice zu mehr unbezahlter Arbeit führt. Neue Konzepte bedarf es auch bei den Versicherungsleistungen. Homeoffice lässt die Zahl der „Arbeitsunfälle“ im Eigenheim ansteigen – derzeit fallen diese Unfälle jedoch nicht unter die Kategorie Arbeitsunfall. 

Exkurs: Langer Weg zur Flexibilisierung der Arbeitswelt

Ergebnisse der Unternehmen Zukunft-Studie

Welche Maßnahmen sind notwendig, um die Flexibilisierung der Arbeitswelt voranzutreiben:

  1. 75 Prozent: Ausbau von Breitband-Internet auch in ländlichen Regionen
  2. 65 Prozent: Bessere steuerliche Absetzbarkeit von Betriebsmitteln und Mietkosten
  3. 58 Prozent: ein dauerhafter Versicherungsschutz bei Betriebsunfällen im Homeoffice
  4. 58 Prozent: ein gesicherter Betreuungsplatz für Kinder aber dem 1. Lebensjahr

Aktuelle Hindernisse im Ausbau von flexiblem Arbeiten:

  1. 53 Prozent: Datenschutz und Datensicherheit
  2. 43 Prozent: Eingeschränkte Kinderbetreuungsmöglichkeiten
  3. 40 Prozent: Haftungsfragen in Schadensfällen
  4. 34 Prozent: Fehlende Kostenübernahme bei der technischen Ausstattung
  5. 30 Prozent: Unzureichende Internetanbindung
  6. 28 Prozent: Unzureichende steuerliche Anerkennung von Betriebsmitteln und Mietkosten

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