Michael Santer: „Ohne Mut werde ich keinen Erfolg haben!“

Michael Santer: „Ohne Mut werde ich keinen Erfolg haben!“

Unser Geld wird immer weniger wert, die Zinsen sind im Keller und die Inflation lässt unser Vermögen schrumpfen. Trotzdem setzt Österreich noch immer mehrheitlich auf das Sparbuch. Das müsste aber gar nicht sein, wie Michael Santer, Bereichsleiter Treasury & Private Banking, Volksbank Wien, im Gespräch über Mut im Bereich der Geldanlage betont. Und der „Schatzmeister“ der Volksbank Wien erklärt auch, warum sich ein bisschen Mut zum Risiko durchaus lohnen kann.


Herr Santer, obwohl aktuell die Zinsen für Spareinlagen gegen null gehen, ist das Sparbuch nach wie vor die beliebteste Anlageform der Österreicher – warum, denken Sie, ist das so?
Michael Santer: Das würden wir alle gerne wissen, denn bereits seit zwei, drei Jahren verfolgen uns negative Zinsen! Wir wissen alle, dass uns mit den aktuellen Sparbuchzinsen durch die Inflation eigentlich Geld verloren geht. Trotzdem hat sich ein gewisser Fatalismus breitgemacht – bei vielen Leuten herrscht die Meinung vor: „Naja, ich kann eh nichts ändern!“ Das ist eigentlich sehr schade, weil es durchaus bessere Anlage-Möglichkeiten als ein Sparbuch geben würde, speziell nachdem die Europäische Zentralbank bereits angekündigt hat, dass sich die Zinsen bis nach dem Sommer 2019 nicht verändern werden. Das heißt, jeder, der sein Geld aufs Sparbuch legt, wird in den nächsten 12 bis 18 Monaten weiterhin Geld im Sinne des Kaufkraftverlustes verlieren.

Wird sich daran in den nächsten Jahren etwas verändern?
In Österreich verändert sich die Landschaft nur sehr langsam. Der Anteil der Spareinlagen am gesamten Haushaltsvermögen ist in Österreich noch immer extrem hoch – da sind andere Länder bereits deutlich weiter. Das Faszinierende daran ist, dass die Leute früher mit großer Begeisterung in ihrer Bankfiliale um ihre Zinsen gefeilscht haben und jetzt eigentlich vollkommen darauf verzichten. Dabei sollten sie sich nicht damit abfinden, dass die Spareinlagen weniger wert werden, sondern fragen: „Wie kann ich mein Erspartes besser anlegen?“ Da sind die Berater gefordert, dass sie die Kunden darauf hinweisen, dass es sehr wohl Alternativen zum Sparbuch gibt.

Brauchen Herr und Frau Österreicher bei der Geldanlage mehr Mut?
Ich glaube schon, dass eine Anlage abseits eines Sparbuches eines gewissen Mutes bedarf, weil man bei einer Spareinlage bis zu 100.000 Euro sagen kann, dass sie sicher ist.  Irgendwann werde ich mein Geld vom Sparbuch von irgendjemandem bekommen, währenddessen andere Anlageformen doch auch Risiken bergen. Diese Schwelle zu überschreiten, diesen Mut, sein hart Erspartes auch wirklich produktiv einzusetzen, haben in Österreich noch sehr wenige Menschen. Dazu braucht es vor allem viel Vertrauen. Wir sehen immer wieder, wenn ein gutes Vertrauensverhältnis zwischen Kunde und Berater da ist, dann zeigt der Kunde auch mehr Mut zum Risiko und ist bereit, einen alternativen Weg einzuschlagen.

Kann man Mut im Bereich der Geldanlage definieren?
Diesen Mut kann ich mir sogar kaufen, indem ich das Thema Leuten überlasse, die sich damit auskennen. Der erste Schritt ist dabei der Weg zum Bankberater, im zweiten Schritt folgt eine professionelle Vollverwaltung. Ich selbst bin seit etwa 30 Jahren im Finanzgeschäft, sitze vor Computern und Bildschirmen, die mir jede Sekunde zeigen, was auf der Welt los ist – nur möchte ich mich nicht selbst tagtäglich mit meiner eigenen Geldanlage beschäftigen. Aber Gott sei Dank gibt es Experten, die ich für mich arbeiten lassen kann, die sich rund um die Uhr damit beschäftigen. Sie kümmern sich auch um mein Geld, wenn ich einmal auf Urlaub bin oder nicht vor dem Bildschirm sitze.

Wie wichtig ist Mut bei der Anlage bzw. Vorsorge generell?
Einfach ausgedrückt: Ohne Mut werde ich keinen Erfolg haben! Hier im Bereich der Geldanlage habe ich den Vorteil, dass ich mir den Mut, wie zuvor schon erwähnt, einkaufen kann. Ich muss ja nicht wie früher in der Kindheit bei einer Mutprobe selbst vom Zaun springen, sondern ich muss nur jemanden haben, dem ich vertraue. Jemanden, der mich an der Hand nimmt und mit dem ich diesen Weg gehe. Und es gibt genügend Produkte, die ein limitiertes Risiko haben. Ich kann sogar ungefähr einschätzen, wie viel Mut ich einsetzen muss, um Gewinn zu erzielen. Ich muss dabei ja nicht gleich ins Bodenlose springen …

Was sind aktuell die gängigen Trends in Sachen Geldanlage bzw. Vorsorge?
Wenn Leute über Vorsorge sprechen, denken sehr viele sofort an Immobilien. Interessanterweise wäre man oft schnell bereit, in Immobilienspekulationen einzutreten. Dabei ist es doch viel vernünftiger, das Risiko breit zu streuen und Geld über Anlageprodukte zu investieren, die von Experten gemanagt werden. Hier landen wir beim Thema Investmentfonds, da derzeit auch mit Staats- oder Unternehmensanleihen kaum Renditen zu erzielen sind, mit denen die Inflation zu schlagen ist. Vielen Leuten ist es heute auch wichtig, wohin ihr Geld fließt. Deshalb erfreuen sich nachhaltige Fonds immer größerer Beliebtheit. Auch Aktien sind ebenfalls immer ein großes Anlagethema. Aber nicht jeder ist der geborene Börsenexperte, deshalb empfehle ich auch in diesem Bereich, in einer strukturierten Form vorzugehen, sich auf alle Fälle von Profis beraten zu lassen und nicht wie im Casino auf Rot oder Schwarz zu setzen.

Danke für das Gespräch!

Der „Schatzmeister“ der Volksbank Wien kann auf 30 Jahre Erfahrung im Bankgeschäft zurückblicken.

(c) Walter Skokanitsch

ZUR PERSON

Michael Santer leitet in der Volksbank Wien seit fünf Jahren den Bereich „Treasury & Private Banking“

  • Der Private Banking-Bereich der Volksbank umfasst rund 20 Mitarbeiter an verschiedenen Standorten im Osten Österreichs, die Privat- und Firmenkunden beraten und betreuen.
  • Der „Schatzmeister“ der Volksbank Wien kann auf 30 Jahre Erfahrung im Bankgeschäft zurückblicken.

 

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