Thomas Morgenstern: „Mut verändert sich!“

Thomas Morgenstern: „Mut verändert sich!“

Was bedeutet es, mutig zu sein? Und soll man überhaupt immer mutig sein? Wie macht sich Mut bezahlt? Einer, der sich damit ganz bestimmt auskennt, ist der dreifache Olympiasieger im Skispringen, Thomas Morgenstern.

Gewagt hat der „Überflieger“ in seinem – noch jungen – Leben schon viel: Thomas Morgenstern war Skispringer, ist jetzt Hubschrauberpilot und geht generell über Grenzen hinaus, die manch einen anderen eher abhalten. Der 32-jährige Kärntner ist ein sehr aktuelles Beispiel dafür, dass sich Mut oftmals bezahlt macht. Mut in der richtigen Form gehört dazu, wenn  man erfolgreich sein will. Allerdings will Mut auch richtig dosiert sein.

Die richtigen Schlüsse ziehen

„Ich glaube, wenn es um Mut geht, gehört auch ein Gefühl dazu. Nur mutig zu sein und zu sagen, man macht etwas, was gefährlich ist, ist auch nicht das Wahre. Man muss das unterschiedlich betrachten“, sagt Thomas Morgenstern. Als Kind, sagt er, fühle man sich nur mutig, unverwundbar – man springe leichter über seinen eigenen Schatten. „Wenn aber natürlich gewisse Sachen passieren – bei mir waren natürlich auch Stürze dabei –, dann wird es schwierig, neuen Mut zu fassen, weil Angst usw. ins Spiel kommt.“ Doch genau in solchen Situationen gilt es, damit zu leben, Erfahrungen zu machen und Schlüsse daraus zu ziehen – dass so etwas in Zukunft nicht mehr passiert. Beim Hubschrauberfliegen sieht es der erfolgreiche Sportler ähnlich – abgesehen davon, dass man hierbei keinerlei Fehler machen sollte: „Beim Fliegen hast du, wenn etwas schiefläuft, meistens gleich ein arges Problem, da musst du natürlich aus gewissen Fehlern von anderen lernen.“

Offen für Inputs von außen

Obwohl man das gemeinhin eher anders wahrnimmt, hält „Morgi“ Skispringen und Fliegen für sehr sichere Dinge. Je besser die Vorbereitung – beim Skispringen das Training, beim Helifliegen Flugplanung und -vorbereitung sowie Maintainence der Maschine –, desto geringer das Risiko. „Man muss auch einfach offen sein für Inputs, die Leute von außen geben. Und wirklich genauestens bei der Sache sein“, so Morgenstern, für den Mut in dieser Hinsicht eine Kombination aus mehreren Faktoren ist. Es sollte versucht werden, Mut und Vorsicht in Einklang zu bringen, um die richtige Dosierung zu finden, die einen voranbringt.

Eine natürliche Entwicklung

„Als Kind habe ich mich sehr viel getraut, habe alles ausgetestet. Die Bedingungen hätten auf der Schanze nicht schlimmer sein können – ich war dennoch immer der Erste, der sich runtergeschmissen hat“, grinst der zweimalige österreichische Sportler des Jahres. Doch mit dem Älterwerden ist beim erfolgreichen Hubschrauberpiloten etwas anders geworden: „Jetzt hat sich eigentlich sehr viel geändert, auch von meiner Einstellung und von meinem Gefühl her.“ Mitunter nach seinen schlimmen Stürzen, die unter anderem auch ausschlaggebend für sein Karriereende waren. In diesem Punkt zeigt der Mut zwei Gesichter: Zum einen gehört eine riesige Überwindung dazu, nach einem Sturz wie 2014 am Kulm mit schweren Verletzungen weiterzumachen – bereits einen Monat danach nahm Thomas Morgenstern an den Olympischen Winterspielen in Sotschi teil. Zum anderen brauchte es 2014 auch eine gehörige Portion Mut, sich mitten in seiner Karriere vor die Öffentlichkeit zu stellen und das Ende seiner aktiven Laufbahn bekanntzugeben. Es ist dies die Kraft, der Mut, zu wissen, wann es genug ist. „Ich war mutig, aber es hat sich verändert – jetzt bin ich es nicht mehr in dieser Form“, fasst der Rekordhalter zusammen. „Ich glaube, wenn sich gewisse Lebensumstände ändern, dann gehört auch eine Anpassung der eigenen Einstellung dazu.“

(c) Walter Skokanitsch

FAZIT

Neben dem Mut, sich auf Skiern eine Rampe hinunterzulassen und waghalsige Tricks in einem Hubschrauber auszuführen, gibt es auch noch viele andere Gefilde, in denen Mut von großer Bedeutung ist und war. Quer durch die Geschichte haben Menschen immer wieder den Beweis angetreten, dass man durch Mut und Standhaftigkeit etwas verändern kann. Nicht Mut allein hebt die Welt aus den Angeln – doch Mut zu Neuem, Mut, zu seinen Ideen zu stehen, etwas zu riskieren, ist dabei von großer Bedeutung.


Zur Person

Thomas Morgenstern, geboren 1986 in Spittal an der Drau, gab sein Weltcup-Debüt im Skispringen in der Saison 2002/2003. Mit 14 gewonnenen Goldmedaillen bei großen internationalen Wettkämpfen ist er einer der erfolgreichsten Sportler Österreichs. Seit seinem Karriereende 2014 ist er „seinem Element“ treu geblieben und fliegt Hubschrauber.

  • 3 Goldmedaillen bei Olympischen Winterspielen
  • Gewinner der Vierschanzentournee in der Saison 2010/2011
  • Gesamtweltcupsieger im Skispringen in den Saisonen 2007/2008 und 2010/2011
  • Goldmedaille in der Juniorenklasse bei den Helicopter Championships 2015

www.thomasmorgenstern.com

 

Weitere Links aus der Content-Serie „Mut“: Was bedeutet Mut im Geschäftsleben – Ein Interview mit DI Gerald Fleischmann

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