Wie man eine Unternehmensübernahme finanziert

Wie man eine Unternehmensübernahme finanziert

Zahlreiche heimische Unternehmen suchen einen Nachfolger. Eine Unternehmensübernahme ist mit weitreichenden Entscheidungen verbunden. Wie kommen Interessenten zu einer leistbaren Finanzierung? Worauf bei der Finanzierung eines Unternehmenskaufs zu achten ist. 

Nach Angaben der Wirtschafskammer Österreich (WKO) stehen bis zum Jahr 2027 mehr als 40.000 Unternehmen zur Übergabe an. Der Nachfolgemarkt ist also recht groß. Die WKO bietet eine Online-Nachfolgebörse, die Unternehmen, die zur Übernahme ausgeschrieben sind, auflistet. Speziell in traditionellen Geschäftsbranchen kann eine Betriebsübernahme mehr unternehmerischen Erfolg versprechen als eine Neugründung. Ob der Übernehmer nun aus der Familie kommt, aus dem Unternehmen selbst oder von außerhalb: Jedes Unternehmen hat seinen Preis, und diesen müssen die Nachfolger erst einmal finanzieren. Die Finanzierung wird in vielen Statistiken jedoch als häufiger Grund für das Scheitern einer Nachfolgeregelung angegeben. Worauf ist bei einer Firmenübernahme zu achten?

Unternehmensübernahme: Was gerne übersehen wird

Es ist nicht nur der Kaufpreis alleine ausschlaggebend. In der Regel kommt es nach einer Übernahme zu einer Umstrukturierung. Es werden beispielsweise Prozesse verschlankt oder Modernisierungsmaßnahmen gesetzt. Für diesen Investitionsbedarf sind genügend Reserven einzuplanen. Was ebenfalls gerne übersehen wird, für ein Gelingen der Übernahme aber äußerst wichtig ist: alte Abfertigungsansprüche, mögliche Änderungen im Mietvertrag aufgrund der Nachfolge und der weitere Verbleib von Leistungsträgern unter den Mitarbeitern. Hier haben altgediente Mitarbeiter als Nachfolger Informationsvorteile, die die Aufbereitung der benötigten Mittel erleichtern.

Gibt es im zu übernehmenden Unternehmen Vermögenswerte, die nicht betriebsnotwendig sind? Wie viel Liquidität braucht das Unternehmen in Zukunft? Wenn bei der Übergabe höhere Entnahmen geplant sind – verkraftet das Unternehmen diesen Liquiditätsabfluss? Fragen dieser Art sollten ebenfalls vor der Kaufpreisfestlegung geklärt werden. Jede Unternehmensübernahme muss nach ihren spezifischen Parametern strukturiert und an diese angepasst werden.

Die Basis für eine gelungene Übernahme

Vor allem Unternehmen wie Handwerksbetriebe oder kleine Mittelständler haben keine Erfahrung mit Finanzierungsthemen wie der Nachfolgefinanzierung. Ein nachhaltiges Finanzierungskonzept ist jedoch eine wichtige Basis für eine gelungene Übernahme. Die Volksbank-Experten für Akquisitionsfinanzierungen unterstützen Sie in allen Phasen individuell. Die Praxis hat gezeigt, dass nur eine wohlüberlegte, gut vorbereitete Übergabe allen Beteiligten Vorteile und Nutzen bringt.

Die Arten der Finanzierung

Wer über ausreichend freie Liquidität verfügt, kann die Übernahme ohne fremde Geldmittel realisieren. Dies ist vor allem beim Verkäufer die wohl beliebteste Variante. Das Geschäft ist auf einen Schlag abgewickelt. Ein solcher Bar-Kauf ist allerdings schwer möglich und auch nicht immer empfehlenswert, da ausreichend liquide Mittel im Unternehmen gehalten werden sollten. Ganz ohne Eigenkapital geht es jedoch auch nicht: In der Regel sollten zumindest 20-30 Prozent des Kaufpreises als Eigenmittel vorhanden sein. 

  • Vendor Loan
    Dabei bietet der Verkäufer des Unternehmens einen Kredit an. Hier ist allerdings ein starkes Vertrauensverhältnis zwischen Käufer und Verkäufer bei der Übernahmefinanzierung gefragt.
  • Earn-Out
    Ein gewisser Betrag des Kaufpreises wird erst später in Raten und meist erfolgsabhängig gezahlt. Für den Käufer des Unternehmens entsteht ein gewisser Sicherheitspolster. Läuft das Unternehmen gut, kann der Kaufpreis nach und nach abbezahlt werden. Entwickelt sich das Geschäft jedoch nicht wie erwartet, bleibt ihm durch erfolgsabhängige Raten Luft.
  • Mittel von Dritten
    Die traditionelle Nachfolgefinanzierung erfolgt meist über einen Kredit durch eine Bank. Der Käufer bringt Eigenkapital zum Kauf ein, der Rest der Kaufsumme wird über das Darlehen finanziert.
  • Aufnahme von Beteiligungskapital
    Die Lücke zum Kaufpreis kann aber auch über Beteiligungskapital von Investoren oder Business Angels ausgefüllt werden. Diese erhalten Anteile an dem Unternehmen und sind am Erfolg beteiligt. Der Vorteil: Das Beteiligungskapital muss nicht zurückgezahlt werden. aws i2 Business Angels ist ein unabhängiges Business-Angel-Netzwerk in Österreich zur Vermittlung von Unternehmen an Investoren.
  • Fördermittel und Förderkredite
    Zum optimalen Finanzierungsmix gehören auch Förderungen, Zuschüsse und Garantieübernahmen für Kredite. Die wesentlichste Fördereinrichtung ist hier der AWS (Austria Wirtschaftsservice). Bei Förderungen sind besonders die Fristen zu beachten. Sie sind so gut wie immer vor dem Investitionsbeginn zu beantragen.

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