Digitale Medizin – ein zukunftsträchtiger Weg!

Digitale Medizin – ein zukunftsträchtiger Weg!

Michaela Fritz, Vizerektorin für Forschung und Innovation an der MedUni Wien, über Leuchtturmprojekte und dem Einsatz von künstlicher Intelligenz im OP-Saal.

Der Mensch als Datensatz

Forschung hat an der Medizinischen Universität in Wien eine lange Tradition und gilt besonders in den Bereichen Onkologie (Krebsforschung), Neuroscience, Immunologie, Medical Imaging (Bildgebung) und Kardiologie als internationale Spitzenklasse. Umgesetzt werden diese Themen mit den drei Säulen: Prävention, Präzisionsmedizin und Translationale Medizin (TM). TM setzt sich zum Ziel, wissenschaftliche Erkenntnisse so schnell wie möglich in die Praxis zu bringen. Präzisionsmedizin ist heute Synonym für die digitale Medizin. „Der Mensch als Datensatz, das ist die Zukunft der Medizin“, sagt Michaela Fritz, Vizerektorin für Forschung und Innovation an der MedUni Wien. „Früher konzentrierte man sich auf Organe, Zellen, DNA – heute wird der Mensch als Summe seiner Daten gesehen und wie man daraus schlaue Erkenntnisse für Prävention, Diagnostik und Therapie gewinnen kann.“ Auf diesen Forschungsfokus richten sich auch die neuen Professuren der MedUni Wien aus, die dann etwa „Cognitive Science“, „Machine Learning“, „Digital Medicine“ heißen.

Neue Forschungszentren

Dazu bedarf es kluger Köpfe. Die lockt und hält man mit einem attraktiven Standort, hervorragenden Rahmenbedingungen und einer guten Infrastruktur. Aus diesem Grund möchte die MedUni Wien zwei neue Zentren errichten. Einerseits das Zentrum für Translationale Medizin und Therapie, finanziert über die Stadt Wien und den Bund (120 Millionen Euro), andererseits das Zentrum für Präzisionsmedizin, das über Fundraising finanziert werden soll (60 Millionen Euro). „Wir wollen aus der Kombination aus digitalen und medizinischen Kompetenzen ein echtes Leuchtturmprojekt schaffen“, verspricht Fritz.

Arzt versus Roboter

Im klinischen Alltag ist mit dem OP-Roboter bereits ein Hauch von Zukunft zu spüren. Die Vorteile liegen auf der Hand: Ein Roboter bleibt konstant konzentriert und hat mehr Dimensionen in seinem Agieren. Kein Mensch könnte so komplex operieren. „Was nicht bedeutet, dass es in Zukunft keine Chirurgen mehr benötigt. Die Ärzte sitzen aber nicht mehr im OP“, so die Expertin. Der Beruf des Arztes wird sich durch digitale Technologien stark verändern. Künstliche Intelligenz und Robotik unterstützen den Menschen immer besser. „Dank der Daten kann man in Zukunft gezielter therapieren. Investitionen, die heute in die Forschung getätigt werden, machen sich langfristig bezahlt.“ Hemmschuh für die Forschung ist jedoch die strenge Datenschutzverordnung.

Kraft der Gedanken

Großes Zukunftspotenzial sieht Fritz auch in gehirngesteuerten Prothesen. „In Zukunft lässt sich ein Mensch mit vielen Ersatzteilen ausstatten und optimieren.“ Ziel all der Forschungen ist einerseits, dass der Mensch in Zukunft gesünder altern kann, andererseits werden durch die neuen Möglichkeiten aber auch Einsparungen im Gesundheitssystem angestrebt.

Michaela Fritz steht leicht lächelnd vor einem Gebäude der Medizinischen Universität Wien. Der Wind bläst durch ihre offene Haare, sie trägt eine Brille, roten Lippenstift und eine große weiße Perlenkette um den Hals. Dipl. Ing. Dr. Michaela Fritz, Vizerektorin für Forschung und Innovation an der MedUni Wien | Foto: @Robin Weigelt

Zur Person

Dipl. Ing. Dr. Michaela Fritz ist Werkstoffingenieurin, studierte in Zürich, arbeitete bereits in Berkeley sowie München und ist seit 2016 an der MedUni Wien Vizerektorin für Forschung und Innovation. Bevor sie an die MedUni Wien kam, war sie in einem angewandten Forschungsinstitut und in der Finanzierung von Start-ups und der Industrie tätig.

Investment in die Zukunft der Medizinforschung

2024 soll das Zentrum für Translationale Medizin und Therapie am Campus der MedUni Wien umgesetzt sein. Die Umsetzung des ­Zentrums für Präzisionsmedizin hängt von der Spendenfreudigkeit  der Österreicher ab.

Informationen: www.zpm.at

Ähnliche Beiträge