Ein kleiner Virus kann die Natur verändern

Ein kleiner Virus kann die Natur verändern

Die Corona-Pandemie brachte für Wirtschaft und unser Zusammenleben selbstverständlich wenig bis gar nichts Gutes. Doch für einzelne Bereiche um uns herum, darunter z.B. Natur und Tiere, gibt es doch positive Tendenzen: Denn die Krise hat zahlreiche Auswirkungen auf Umwelt, Flora und Fauna und damit in einer nächsten Instanz auch auf zukünftige Geschäftsmodelle. 

Im allerersten Lockdown im Frühjahr 2020 haben wir es bereits gemerkt: Wenn sich die Straßen leeren, die Menschen ihre Produktivität herunterfahren und bevorzugt zu Hause bleiben, dann atmet die Natur auf. Aus der Corona-Krise lassen sich zahlreiche Schlüsse ziehen, wie wir Umwelt und Klima besser behandeln. Auf der einen Seite gibt es neue Chancen für Unternehmer, auf der anderen Seite aber auch viele veränderte Verhaltensmuster, die der Umwelt noch mehr schaden.

Weniger Treibhausgase, aber nur für kurze Zeit

Für Umwelt und Klima bedeutet die Pandemie eine Verschnaufpause. Weniger Autos und LKWs auf den Straßen, eingeschränkter Luftverkehr, weniger Containerschiffe auf den Meeren – das reduziert die Treibhausgase. Laut Messungen internationaler Forscher sind die CO2-Emissionen in der ersten Jahreshälfte 2020 gegenüber 2019 weltweit um knapp neun Prozent zurückgegangen. Auch in Österreich nahm laut Umweltbundesamt in den Städten die Stickoxiden-Belastung im ersten Lockdown um bis zu 36 Prozent ab und die Luftqualität zeigte deutliche Verbesserungen. Allerdings handelt es sich dabei nur um Momentaufnahmen. Mit Ende der Ausgangsbeschränkungen stiegen die Belastung an Stickstoffoxiden und die Treibhausgase wieder auf Ausgangsniveau an. Der Klimawandel wird dadurch nicht gestoppt. Aber uns ist bewusst geworden, dass eine signifikante Reduktion möglich ist, wenn die notwendigen Maßnahmen dazu getroffen werden.

Verkehrte Natur: Tiere in der Stadt, Menschen im Wald

In den sozialen Medien gingen die geteilten Bilder viral: Füchse in der Wiener Innenstadt, Delfine vor der Lagunenstadt Venedig. Während des Lockdowns rückte die Natur in Bereiche vor, aus der sie schon lange vertrieben schien. Es ist schön zu erleben, wie rasch die Natur sich erholt, wenn man ihr die Chance dazu gibt. Auf der anderen Seite suchen die Menschen in der Corona-Krise vermehrt die Natur auf. Dadurch fühlen sich viele Tiere in ihrer natürlichen Umgebung gestört. Generell konnte der Wald in Zeiten der Ausgangssperre weitaus weniger aufatmen. Einerseits, weil das Herunterfahren der Wirtschaft und Schließungen der Geschäfte dazu führten, dass die Menschen ihre Aktivitäten vermehrt in die Wälder verlegten. Andererseits, weil die Rodungen speziell in den Regenwäldern ungehindert, teilweise sogar unkontrollierter voranschritten. Laut WWF-Studie reduzierten sich 2020 die weltweiten Waldflächen. 

Unterschiedliche Auswirkungen auf Wildtiere

Wildtiere erleben in der Corona-Pandemie ein Auf und Ab. Die Schattenseiten: Tierschutzverbänden zufolge nahm 2020 der illegale Wildtierhandel zu. Die Sonnenseiten: Der eingeschränkte Wintertourismus könnte sich positiv auf die Population heimischer Tiere auswirken. Durch die Ausgangssperren und geringeres Verkehrsaufkommen gab es auf Österreichs Straßen weniger Wildunfälle.

Der Verbrauch verschiebt sich 

Die Pandemie und die daraus resultierenden Maßnahmen haben Statistiken durcheinandergewirbelt. So erspart zum Beispiel Homeoffice vielen Büros zahlreiche Ressourcen, aber zu Hause steigt der Energieverbrauch. Ein anderes Beispiel: Gewerbeabfälle nahmen im Jahr 2020 durch die geringere Produktivität ab. Parallel dazu stiegen aber die Mengen der Abfälle in den Privathaushalten. Bedenklich ist die Zunahme an Plastikmüll. Man denke nur an den Mundnasenschutz, der aus Kunstfaser besteht. Der Zuwachs an Plastikmüll erklärt sich auch durch die verstärkte Nachfrage nach Einweghandschuhen, die gesteigerte Benutzung von Einweg-Plastikbehältern von Take-Away- und Lieferservices sowie aus Hygienegründen vermehrt abgepackte Lebensmittel. Traurig ist die Zunahme der Vermüllung. Alleine Masken landen leider sehr viele in der Natur.

Verhalten der Menschen verändert sich

Während der Corona-Pandemie ist zu beobachten, dass die Menschen aufgrund Maskenpflicht und Ansteckungsgefahr vermehrt öffentliche Verkehrsmittel meiden und lieber aufs eigene Auto umsteigen. Dieselben Gründe sind es auch, die Menschen aufs Onlineshopping umsteigen lassen. Aber auch das Reiseverhalten verändert sich – und hier besteht besonders großes Potenzial für neue Geschäftsideen. 2021 steigt zum Beispiel die Nachfrage nach organisierten Individualreisen sowie bewusstem und genussvollerem Reisen. 

Den Lerneffekt aus der Krise mitnehmen

Die Pandemie hat den Klimaschutz beflügelt. Die reduzierten Treibhausgase durch weniger Verkehr und weniger Industrieprozesse machen Mut, auf diesen Gebieten in Innovationen zu investieren. Es wurde demonstriert, dass viele Maßnahmen funktionieren, von denen es vor der Krise hieß, sie wären unrealisierbar. Corona schafft, was Klimaschützer jahrelang vergeblich predigten: Etwa strengere Maßnahmen gegen Überfischung. Erst in der Pandemie ließ sich die EU von einem strengeren Gesetz überzeugen. Ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz.

Nachhaltige Jobs im Aufwind

Klimaschutz, Artenschutz, Biodiversität – diese Themen rücken durch die Pandemie stärker in unser Bewusstsein. Das wird sich in den kommenden Jahren in unendlich vielen neuen Geschäftsmodellen beweisen. Die Coronakrise hat ein unternehmerisches Umdenken beschleunigt. Betrieben, die Nachhaltigkeit in den Mittelpunkt rücken, wird eine wettbewerbsfähigere Zukunft vorausgesagt. Über alle Branchen hinweg zeigt sich dieser Wandel: Sei es in der Mobilität, weil sich das Mobilitätsverhalten der Menschen verändert, oder in der Immobilienbranche, wo klimafreundlichen Innovationen die Türen offen stehen. Die Hotel- und Tourismusbranche befindet sich ebenfalls im Umbruch. Gefragt sind Slow Travel, nachhaltige Unterkünfte, aber auch umweltfreundliche Aktivitäten. Durch die Bank zeigt sich der Zeitgeist: Der Willen der Menschen, etwas Positives für die Umwelt zu tun, ist groß. Wer die Bedürfnisse der Kunden in dieser Hinsicht am besten befriedigen kann, bewegt sich auf der Siegerstraße. 

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