Work-Life-Balance für Chefs

Work-Life-Balance für Chefs

Ein neues Projekt steht ins Haus. Eine Chance, auf die Sie schon lange gewartet haben. Klar, dass man nun “reinbeißt”, Schwung und Begeisterung nützt, die Work-Life-Balance sich Richtung Job verschiebt und man noch mehr gibt als sonst. Kurzfristig geht das gut.

Ein Problem aber könnte entstehen, wenn das Projekt erledigt ist, der neue Arbeitsmodus jedoch auf einem Level bleibt, der langfristig vielleicht nicht guttut. Der Familie nicht, den Mitarbeitern nicht, dem Betrieb nicht und auch nicht dem Chef. Wer da die Möglichkeit hat, seine persönliche Work-Life-Balance, also die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben selbst zu gestalten, verfügt über eine Chance, die genutzt werden sollte. Sie haben sich ja bereits dafür entschieden ein Unternehmen zu führen, nun gilt es auch Ihre Fähigkeiten und Möglichkeiten zur eigenen Lebensführung (Führung im Sinne von: Ich entscheide, wo’s langgeht) herauszufordern. Eine selbstgewählte, befriedigende Work-Life-Balance, ist besonders wichtig, bringt sie doch mehrfachen Gewinn. Alle profitieren davon: Sie selbst, Ihre Mitarbeiter und Familie, aber auch das Unternehmen und last but not least die Gesamtwirtschaft. In freier Abwandlung eines Werbeslogans der Österreichischen Wirtschaftskammer ließe sich sagen: Geht’s uns allen gut, dann geht’s auch der Wirtschaft gut.

Am Anfang steht der Plan

Führung ist Aktion und setzt etwas in Bewegung. Sie beginnt mit der Bestimmung des Standortes. Von hier aus stelle ich die Fragen: Was will ich umsetzen und wie soll das gelingen? Daher beginnt Selbstmanagement mit einem Plan. Mit einem Plan, den Sie selbst in die Welt gesetzt haben, schaffen Sie sich die Referenz für Ihr Tun. Aber planen Sie realistisch. Es hat keinen Sinn übertriebene Vorhaben zu planen, die nicht umsetzbar sind. Ihre Work-Life-Balance dient der Verbesserung und darf nicht zu einem weiteren Stressfaktor werden.

Faktor Zeit

Der Plan definiert den Inhalt meines Tuns und die Art und Weise, wie ich es umsetzen möchte. Und er zeigt mir, wieviel Zeit ich dafür verwende. Zeitmanagement ist die Königsdisziplin in der Selbstverwaltung. Alle Faktoren sind variabel, der Faktor Zeit ist es nicht. Zeit ist niemals vermehrbar. Mehr Zeit für die Arbeit heißt weniger Zeit für anderes und vice versa. Zeitmanagement führt mir vor Augen, in welchen Bereichen meine Rolle aktiv ist oder passiv. Also, wer bestimmt meine Zeit, ich selbst oder wer sonst? Legen Sie ein Zeitprotokoll an, eine lückenlose Aufzeichnung über mindestens drei Wochen und analysieren Sie dieses auch. Das ist schon aufwendig, doch es lohnt die Mühe. Die Auswertung birgt mit großer Wahrscheinlichkeit Überraschungen.

Work-Life-Balance selbst bestimmen

Zum Beispiel lassen sich so die Zeitfresser des digitalen Zeitalters identifizieren. Private mails während der Arbeit oder abschweifende Recherchen im Internet. Oft sind diese Tätigkeiten aber nicht nur Zeitfresser, sondern auch Informationsgewinn und als Entspannung zwischendurch auch notwendig. Daher nicht alles ausräumen, was nicht der unmittelbaren Werktätigkeit dient. Wichtig ist aber herauszufinden, wie viel Zeit man dafür aufwendet. Definieren Sie einen Zeitraum, in dem Sie Einflüsse nicht zulassen und ausblenden. Thomas Mann hat für sich die frühen Stunden des Tages gewählt um zu schreiben. Nur wenige Stunden, aber hochkonzentriert. Er gewann den Nobelpreis. 

Mut zur Unsicherheit

Welches Gewicht hat Homeoffice in Ihrer Work-Life-Balance? Finden Sie es für sich heraus!

Einige Zeiträuber sind allgemein anerkannt und offensichtlich. Beispielsweise nicht nein sagen können, nicht delegieren wollen oder eben Planlosigkeit. Wer aber weiß schon vorab, ob es effizienter ist daheim zu arbeiten oder ob die bessere Leistung nicht doch im Büro gebracht wird? Das muss man ausprobieren und sich bei der Entscheidung selbst die Option auf Scheitern einräumen. Denn jede Entscheidung ist mit Unsicherheit behaftet. Lösungen, die klar sind, brauchen keine Entscheidungen. Der österreichische Konstruktivist Heinz von Foerster: “Alles was wir können, sind Überlegungen über die Welt an unserer subjektiv wahrgenommenen Wirklichkeit zu prüfen, unsere Annahmen dabei so gut wie möglich mitdenken, sie dann überarbeiten und wenn wir an der Wirklichkeit scheitern, weil sie sich nicht so verhält, wie wir von ihr geglaubt hatten, müssen wir eben wieder von vorne anfangen. Und sollte sich die Theorie bewähren, haben wir dennoch nichts über die Wirklichkeit gelernt, sondern bestenfalls etwas über uns selbst.”

Das aber zählt! Lernen Sie etwas über sich selbst und finden Sie heraus, was Ihnen guttut und was Sie gut tun! Finden Sie heraus, wie gut Sie sind. Sie müssen nicht besser sein, als man von Ihnen erwartet. Perfektionismus kostet Zeit.

Work-Life-Balance mit Reset Button

Die “gewonnene” Zeit nicht gleich wieder dem Lebensbereich Arbeit zuordnen. Teilen Sie Ihre Zeit so ein, dass tatsächlich ein ausbalanciertes, ein ausgewogenes Verhältnis zwischen den Ansprüchen von Arbeit und Freizeit entsteht. Was Ihnen guttut, müssen Sie schon selbst herausfinden. Eine Stunde morgens joggen ist für die einen der Königsweg hin zu einer gelungenen Work-Life-Balance. Für andere ist das Selbstmord auf Raten. Kurze Pausen mit Bewegung sind aber jedenfalls gut für Geist und Körper. Versuchen Sie Ihre Kreativität, probieren Sie sich und Ihre Möglichkeiten aus! Gehen Sie einen Weg, den Sie noch nie gegangen sind. Schlagen Sie einen Pflock ein im Unbekannten und nehmen diesen als Anker für neue Erfahrungen. Und räumen Sie sich auch selbst das Recht ein den Reset Button zu drücken. Wenn sich die Dinge nicht der geplanten Erwartung entsprechend entwickeln, muss man die Erwartung überdenken oder den Plan. Pläne sind nicht in Stein gemeißelt, sie sind Orientierungshilfen. Man kann sie nachjustieren und nötigenfalls auch verwerfen.

Das mach’ ich besser gleich

Der Tip, unangenehme Dinge zuerst zu erledigen, ist unter all den Ratschlägen zum Gelingen der perfekten Work-Life-Balance wohl einer der wertvollsten. “Wär’s abgetan, so wie’s getan ist, dann wär’s gut, man tät’ es eilig.” Mit dieser Einsicht treibt sich schon Shakespeare’s Macbeth an zum Meuchelmord am König. Dagegen sind unsere unangenehmen Erledigungen doch ein Kinderspiel, oder? Also los!

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