Die richtige Exit-Strategie

Die richtige Exit-Strategie

Aus der Selbstständigkeit zurück ins Angestelltenverhältnis …

Der deutlich üblichere Exit ist der von einem Angestelltenverhältnis in die Selbständigkeit. Laut WKO hat mit dem Boom der Start-ups die Zahl der Personen, die sich als Selbständige in die Privatwirtschaft wagen, enorm zugenommen. Der umgekehrte Seitenwechsel ist seltener. Noch – denn der Gründer-Boom könnte auch zu einem Bumerang-Effekt werden. Nur jedes dritte Start-up bewältigt die wirtschaftlichen Herausforderungen und kommt in die Gänge. Alle anderen brauchen einen Plan B, und bei vielen bedeutet das: zurück in den sicheren Hafen einer Anstellung. Und dafür bedarf es der passenden Exit-Strategie.

Klischees haben nur wenig mit Wahrheit zu tun

Die Rückkehr von der Selbständigkeit in ein Angestelltenverhältnis wird auch deshalb nicht so an die große Glocke gehängt, weil das Vorurteil der Niederlage anhaftet. In einer ersten Betrachtung mag das richtig sein. Wer als Unternehmer „scheitert“, sucht gerne die Alternative in der Anstellung. Aber dazu muss gesagt sein: Wirtschaftliches Scheitern gilt nur in unseren Kulturkreisen als etwas Schändliches. In vielen anderen Kulturen, wie etwa den USA, verfolgt man das Motto: Nur über Niederlagen lernt man. Scheitern gilt dort geradezu als Grundvoraussetzung für die Entwicklung zu einem guten Manager. Einen kapitalen Fehler macht man meist kein zweites Mal. Gescheiterten Managern traut man in Amerika häufig eher den Erfolg zu als jenen, die noch nie gescheitert sind.

Deshalb gibt es in Kulturen, in denen Scheitern zum Unternehmertum dazugehört, auch wesentlich weniger Menschen, die aufgrund von Niederlagen aus der Selbständigkeit in ein Angestelltenverhältnis wechseln. Dort gibt es keinen Plan B, denn ein Ausweichplan wird bereits dafür gehalten, dass man nicht an seine Visionen glaubt. „Plan B is: There is no Plan B“, lautet Arnold Schwarzeneggers Ratschlag an alle Menschen, die ihre Träume verwirklichen wollen.

Exit-Strategie: Mut ist erlernbar

Sich auf die eigenen Füße zu stellen und sein eigenes Unternehmen aufzubauen verlangt nach Mut und Selbstvertrauen. Diese beiden Eigenschaften sind freilich zu wenig für den Erfolg. Es gehören auch Fachkompetenz, ein vorhandener Markt und Glück dazu. Glück deshalb, weil es Erfolgsfaktoren gibt, die man nicht beeinflussen kann. Corona ist hier ein gutes Beispiel: Wenn einem der Markt unerwartet wegbricht, hilft die beste Kompetenz auch nicht mehr. Viele Unternehmer geben aber zu früh auf und wählen eine Exit-Strategie: Denn bei jedem Tief sofort die Flinte ins Korn zu werfen zeugt nicht vom Glauben an die eigenen Ideen. Hier können Expertengespräche zielführend sein – etwa mit dem Bankberater, wenn es um finanzielle Engpässe geht, die einen sonst kapitulieren lassen. Oder man konsultiert einen Unternehmensberater, wenn es darum geht, wie man das Steuer doch noch herumreißen könnte. 

Gute Gründe für den Exit

Häufige Gründe, warum sich Selbstständige für eine Anstellung entscheiden, sind finanzieller Natur. Will oder kann der Unternehmer nicht mehr die alleinige finanzielle Verantwortung tragen, kann ein Frontenwechsel die richtige Entscheidung sein. Aber es gibt ja nicht nur die „Gescheiterten“. Der Weg zurück in ein Angestelltenverhältnis kann auch zahlreiche andere Gründe haben. Gerade Jungunternehmer bemerken häufig rasch, dass ihnen die vielen Zusatzaufgaben wie Marketing, Akquise, Buchhaltung usw. nicht liegen und fühlen sich in einer Anstellung freier als in Selbständigkeit. Ein eigenes Unternehmen zu leiten bedeutet häufig, die eigentlichen Kompetenzen, die man besitzt, zu vernachlässigen.

Ein weiterer Grund kann aber auch das Fokussieren auf die eigentliche Kompetenz sein: Bis ein Unternehmen läuft, muss man in der Selbständigkeit sehr viel Zeit mit Aufgaben verbringen, die fern der Hauptkompetenz liegen. In der Festanstellung erhoffen sich diese Personen, sich als Mitarbeiter wieder mehr auf den eigentlichen Job konzentrieren zu können. Ein weiterer Grund kann das Abwerben oder Abkaufen des eigenen Unternehmens sein, um die Kompetenz des Unternehmens in den eigenen Betrieb zu holen. Und für den Abgeworbenen wiederum kann die neue Aufgabe attraktiver und lukrativer sein.

Denkmuster umstellen

Man sollte sich vor einem Wechsel die Frage nach dem „Warum“ stellen. Wenn man weiß, warum man lieber selbständig arbeitet oder nicht, hat man auch keine Scheu, sich zu rechtfertigen. Doch wie gelingt der Wiedereinstieg in den Alltag als Arbeitnehmer? Als Unternehmer hat man eine andere Rolle als in einem Angestelltenverhältnis. Man muss sich diesen Rollenwechsel bewusst machen: Plötzlich nicht mehr der eigene Chef zu sein, kann für viele ehemalige Selbständige schwer sein. War das Führen eines Unternehmens die große Stärke, dann kann man dieses Talent auch im Teamwork einbringen – egal, an welcher Position man nun steht. Ob der Schritt ins Angestelltenverhältnis gelingt, hängt auch davon ab, um welche Selbständigkeit es sich gehandelt hat. Ein erfahrener Unternehmer, der über viele Jahre selbst eine Firma führte, hat andere Vorstellungen von einer Festanstellung als ein junger Gründer. Ebendiese Erfahrungen helfen dann aber auch bei der Umsetzung der personalisierten Exit-Strategie.

Exit-Strategie für Exit

Der Weg zurück ins Angestelltenverhältnis bedeutet nicht, dass man die Selbständigkeit damit für immer aufgegeben haben muss. Wenn man in der neuen Rolle des Mitarbeiters eine Sehnsucht nach Selbständigkeit verspürt, sollte man sich diesem Bauchgefühl nicht verwehren.  Manchmal bedarf es den Kick einer Festanstellung, um zu erkennen, was man an der Selbständigkeit hat. Auch hier wieder der Rat: Nachdem das Bauchgefühl „Ja“ gesagt hat, zahlt es sich aus, einen seriösen Unternehmensberater – etwa über die WKO – zu kontaktieren und mit diesem umsetzbare Lösungen zu besprechen.

Test yourself: Zeichen, die für den Ausstieg aus der Selbständigkeit sprechen

  • Wunsch nach größerer finanzieller Sicherheit, Stabilität und Berechenbarkeit.
  • Man sehnt sich nach geregelten Arbeitszeiten.
  • Man wünscht sich das Fokussieren auf eine Kernkompetenz.
  • Kein Interesse (mehr) an Buchhaltung und Akquise
  • Wunsch nach mehr Work-Life-Balance.
  • Unzufrieden mit der Unternehmensentwicklung
  • Ein attraktives Angebot zur Festanstellung

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