Was bedeutet Mut im Geschäftsleben? Ein Interview mit DI Gerald Fleischmann

Dass man sich etwas traut, kann schon ein schönes Gefühl sein. Was bedeutet Mut im Geschäftsleben? Wie viel ist zu risikoreich? Generaldirektor DI Gerald Fleischmann im Interview zum Thema Mut.

 

Das Thema Mut ist durch alle Zeiten hindurch omnipräsent. War es vor tausenden von Jahren noch essenziell, Mut bei der Nahrungssuche zu beweisen, indem man sich an größere Tiere heranwagte, so ist diese Art des Mutes heute obsolet geworden. Nichtsdestotrotz galt es in der Geschichte immer wieder, Mut an den Tag zu legen. Sei es in der Medizin, wo in vielen Fällen erst Selbstversuche und Theorien entgegen der gängigen Lehrmeinung heutige Errungenschaften möglich machten. Oder in der Technologie, wo zu Lebzeiten oft verspottete Querdenker

den Grundstein legten für Dinge, die mittlerweile alltäglich geworden sind. Eines hat alle Generationen begleitet und ist auch heute aus keinem Bereich unseres Lebens wegzudenken: der Mut.

Angefangen beim ersten Volksschultag, den man allein bestreitet, über die Wahl des richtigen Berufes bis hin zu ganz kleinen, alltäglichen Manifestationen von Mut.

 

„Mut“ –  Ein Interview mit Generaldirektor DI Gerald Fleischmann

Auch aus der Banken-Branche ist dieses Thema selbstverständlich nicht wegzudenken: Generaldirektor DI Gerald Fleischmann spricht im Interview über den Mut in der Wirtschaft und im Geschäftsleben.

 

Volksbank Generaldirektor DI Gerald Fleischmann zum Thema Mut

Volksbank Generaldirektor DI Gerald Fleischmann zum Thema Mut | (c) Polster

VM: Was fällt Ihnen beim Wort Mut als Erstes ein?

GD Fleischmann: Ein altes Sprichwort: Mut steht am Anfang des Handelns, Glück am Ende. Wenn man Chancen nutzen will, muss man immer ein gewisses Risiko eingehen.

 

Wie viel Mut braucht man im Berufsleben?

Das ist sehr unterschiedlich und sehr vielschichtig. Ein Bergretter muss oft sehr schnell eine risikoreiche Entscheidung treffen, aufgrund der wenigen Informationen erfordert das viel  Mut. In einer Bank hat man meistens mehr Zeit, die Risiken gut zu kalkulieren, das ist besser berechenbar.

 

Manchmal heißt es, dass die Finanzbranche bei Krediten vor der Finanzkrise zu mutig war, jetzt sei sie zu vorsichtig.Wie ist das aus Ihrer Sicht?

Manches, was damals geschehen ist, etwa Lehman, würde ich nicht als mutig bezeichnen, sondern als tollkühn. Aber grundsätzlich haben Sie recht, die Branche ist vorsichtiger geworden. Dies hängt aber auch damit zusammen, dass die Regularien strenger geworden sind und dass man für höhere Risiken mehr Eigenkapital vorhalten muss. Aber gute Projekte und gute Finanzierungen erhalten auch weiterhin Kredite. Bei den Volksbanken betrug das Kreditwachstum im Vorjahr fast 7 %, auch heuer im ersten Halbjahr waren es schon rund 3 %.

 

Sie sind vor drei Jahren zur Volksbank gekommen, als gerade eine massive Umstrukturierung vor der Tür stand. Es gab ja keine Garantie, dass es funktioniert. Aus Ihrer Sicht mutig?

Das war sicher persönlich mutig, aber mir war auch klar, dass die Freude nachher umso größer sein wird, wenn man eine große Herausforderung erfolgreich meistert. Allein dass man sich etwas traut, kann schon ein schönes Gefühl sein. Ich möchte aber schon betonen, dass viele, die mit mir diesen Weg der Veränderung gegangen sind, mindestens genauso mutig sein mussten.

 

Erwarten Sie Mut von allen Mitarbeitern?

Ich denke, ein richtiges Maß an Mut ist wichtig für den beruflichen Erfolg. Verantwortung übernehmen, Kritik üben, neue Ideen umsetzen, Zusammenarbeit wagen … ohne diese Dinge sind viele Erfolge nicht möglich. Für Führungskräfte ist es wichtig, dass sie den Mitarbeitern einen gewissen Freiraum für mutige Entscheidungen geben. Wenn Mitarbeiter Angst haben, bringen sie weder besondere Leistungen noch verlassen sie einmal die eingetretenen Pfade.

 

Wo wird die Volksbank in den nächsten Jahren mutig sein?

Erstens setzen wir uns ehrgeizige Ziele, und wir haben den Mut, uns auf diese Dinge zu konzentrieren, die wir wirklich gut können, und ansonsten guten Partnern zu vertrauen.